Eine Illustration von einer Ärztin, die auf einer Lupe sitzt.

Chancen nutzen: Immunsuppression mit LCP-Tacrolimus bei Fast Metabolizern

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Mit Hilfe der C/D-Ratio kann nach einer Nierentransplantation die individuelle Tacrolimus-Metabolisierungsrate abgeschätzt werden. Dies ermöglicht eine bessere Einschätzung der Tacrolimus-Exposition und kann dazu beitragen, Überdosierungen zu vermeiden und somit das Risiko für die Calcineurininhibitor-assoziierte Nephrotoxizität (CNI-Nephrotoxizität) zu verringern.1

Bei Nierentransplantatempfänger*innen, die Tac schnell verstoffwechseln (Fast Metabolizer mit einer CD-Ratio < 1,05 ng/ml*1/mg), treten nach Verabreichung herkömmlicher Tac-Präparate höhere Spitzenkonzentrationen auf und es zeigt sich eine schnellere Abnahme der Nierenfunktion als bei Slow Metabolizern (CD-Ratio ≥ 1,05 ng/ml*1/mg).1,2 Neuste Daten von Thölking et al. deuten an, dass für nierentransplantierte Patient*innen ein Cut-Off-Wert von 1,0 zur Differenzierung von Fast und Slow Metabolizern für den klinischen Alltag am sinnvollsten ist.

 

Tac-Präparate sind in drei Formulierungen erhältlich. Immediate-release Tac (IR-Tac) setzen den Wirkstoff unmittelbar frei und müssen zweimal täglich eingenommen werden.4 Um Probleme bei der Adhärenz zu reduzieren, können auch einmal täglich anzuwendende Tac-Präparate (Prolonged-release Tac, PR-Tac) verabreicht werden.4 Life cycle pharma Tac (LCP-Tac, Envarsus®) führt zu weniger starken Konzentrationsspitzen und einer verbesserten Bioverfügbarkeit über einen längeren Zeitraum.3

LCP-Tac: Tacrolimus mit verlängerter Wirkstofffreisetzung

wird zur Prophylaxe sowie Therapie bei einer Immunsuppression nach einer Nieren- oder Lebertransplantation eingesetzt.4 LCP-Tac wird über einen vergleichsweise langen Zeitraum freigesetzt, wodurch sich eine höhere Bioverfügbarkeit einstellt.4 Der Wirkstoff reduziert die Aktivität der T-Zellen und damit die Immunantwort auf das Transplantat.4

 

Das Präparat ist in drei Wirkstoffstärken erhältlich und muss nur einmal täglich eingenommen werden.4 Die Zulassung durch die European Medicines Agency (EMA) erfolgte 2014.5 Seitdem konnte die Wirksamkeit und das günstige Sicherheitsprofil von LCP-Tac in weiteren Studien nachgewiesen werden.4-7 Die BETTER-Studie* haben wir auf diesem Kanal bereits vorgestellt – eine aktuelle Studie präsentieren wir Ihnen hier.4,7

Verzögerte Abnahme der Nierenfunktion unter LCP-Tac und Everolimus

Studiendesign und Teilnehmer*innen4

 

Eine retrospektive Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von IR-Tac und LCP-Tac, Envarsus®. Die Studie schloss 80 Patient*innen ein, die zwischen 2005 und 2019 eine Nierentransplantation erhielten (Abb. 1). 58 von ihnen waren Fast Metabolizer, 22 waren Slow Metabolizer. Alle Patient*innen erhielten eine Immunsuppression mit IR-Tac für mindestens einen Monat, danach konnten sie auf LCP-Tac umsteigen. Die Studienteilnehmer*innen wurden für 3 Jahre beobachtet.

Abbildung 1: Studiendesign und Studienteilnehmer*innen zur Untersuchung der Nierenfunktion nach Umstieg auf LCP-Tac, Envarsus®. Modifiziert nach 4.

Ergebnisse4

 

  • Fast Metabolizer wechselten im Schnitt früher zu LCP-Tac:
    • Fast Metabolizer stiegen schon 2,0 Monate nach Nierentransplantation auf LCP-Tac um. Slow Metabolizer wechselten im Schnitt dagegen erst nach 13,2 Monaten. Als Grund für die schnelle Umstellung der Fast Metabolizer wurden unerwünschte Ereignisse angegeben.
  • Die Dosierung von LCP-Tac wurde nach einem Jahr sowohl bei Fast als auch bei Slow Metabolizern um etwa 65 % reduziert. Die Dosierung von IR-Tac und LCP-Tac war bei Fast Metabolizern stets höher als bei Slow Metabolizern.
  • Die C/D-Ratio nahm bei Fast und Slow Metabolizern über die Zeit zu:
    • Fast Metabolizer hatten nach 3 Jahren einen um 180 % erhöhten C/D-Wert, der C/D-Wert von Slow Metabolizern war um 130 % erhöht.
  • Auch eine Erholung der Nierenfunktion (eGFR) konnte bei Fast Metabolizern zu allen Untersuchungszeitpunkten nach Umstellung auf LCP-Tac beobachtet werden (Abb. 2). Der Unterschied war bereits ab Tag 10 signifikant (ΔeGFR 4,15 ml/min/1,73 m2; 95 % KI: 2,11–6,34; p = 0,025).
    • In der Gruppe der Slow Metabolizer blieb die eGFR über den gesamten Zeitraum stabil.
    • Die absoluten eGFR-Werte waren in beiden Gruppen – unabhängig vom Metabolisierungstyp – vergleichbar.
  • In beiden Gruppen traten Komplikationen vergleichbar häufig auf.

Abbildung 2: Boxplot-Darstellung der Veränderung der geschätzten glomulären Filtrationsrate (ΔeGFR) von Fast (orange) und Slow (blau) Metabolizern zu verschiedenen Zeitpunkten. Modifiziert nach 4.

Erste Ergebnisse einer Interimsanalyse der Protect RENvarsus Studie von Thölking et al. deuten darauf hin, dass sich diese Befunde bestätigen könnten.8 Hier mehr erfahren.

Everolimus: eine Alternative zur klassischen Calcineurininhibitor-Therapie

Neben der Umstellung auf LCP-Tac wurde in einer anderen Studie die Umstellung auf Everolimus untersucht.1 Die Studie zeigte, dass die Umstellung auf Everolimus sich während einer Immunsuppressionstherapie positiv auf die Nierenfunktion auswirkt.1,** Everolimus inhibiert die Serin/Threonin-Kinase mTOR (Ziel des Rapamycins im Säugetier) und damit das Zellwachstum sowie die Zellvermehrung.9 17 Slow- und 17 Fast-Metabolizer wechselten nach Behandlung unter IRTac zu Everolimus.1 Nach dem Wechsel verbesserte sich die eGFR der Studienteilnehmer*innen, mit einer Tendenz für eine stärkere Verbesserung bei Fast Metabolizern (eGFR nach 36 Monaten: Fast Metabolizer +11,0 ml/min/1,73m2 und Slow Metabolizer +9,4 ml/min/1,73m2).1 Über den Beobachtungszeitraum von 3 Jahren zeigte sich ein gutes Sicherheitsprofil.1

Fazit

Die MeltDose®-Technologie von Envarsus® ermöglicht eine Freisetzung von Tacrolimus über mehrere Stunden und führt so zu einer verbesserten Bioverfügbarkeit.4 Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass die Umstellung von einem IR-Tac auf LCP-Tac eine Reduktion der Tac-Dosierung ermöglichte und zu einer Erhöhung der C/D-Ratio sowie einer Verbesserung der eGFR führte.4 Damit konnte die Verschlechterung der Nierenfunktion nach Transplantation durch den Wechsel zu LCP-Tac vor allem bei Fast Metabolizern vermindert werden.4 Ähnlich positive Ergebnisse wurden auch unter Immunsuppression mit Everolimus, sowie nach Lebertransplantation mit anschließender LPC-Tac-Therapie berichtet.1,6

Abkürzungen:

 

  • CNI-Nephrotoxizität: Calcineurininhibitor-assoziierte Nephrotoxizität
  • eGFR: geschätzte glomuläre Filtrationsrate
  • EMA: European Medicines Agency
  • PR-Tac: Prolonged-release Tac
  • IR-Tac: Immediate-release Tac
  • LCP-Tac: Life cycle pharma Tac
  • mTOR: Ziel des Rapamycins im Säugetier
  • Tac: Tacrolimus 

 

Hinweise:

 

* Prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie bei de novo nierentransplantierten Patient*innen (6 Monate Followup); Limitationen ergeben sich u. a. aus dem nicht-randomisierten Design und potenziellen Confoundern zwischen den Behandlungsgruppen.

** Retrospektive, nicht-randomisierte Analyse von 34 RTx-Patient*innen mit 36 Monaten Follow-up nach Umstellung von Tacrolimus auf Everolimus; Limitationen bestehen insbesondere in der geringen Fallzahl sowie potenziellen Selektions- und Confounding-Effekten. 

 

Referenzen

 

  1. Thölking G et al. J Clin Med. 2020; 9(2): 328.
  2. Thölking G et al. J Clin Med. 2019; 8(10):1586.
  3. Thölking G et al. J Clin Med. 2025 Apr 8;14(8):2542.
  4. Thölking G et al. J Clin Med. 2022; 11(5): 1290.
  5. European Medicines Agency (EMA), Envarsus (Tacrolimus). https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/envarsus (zuletzt abgerufen 16.04.2026).
  6. von Einsiedel J et al. J Clin Med. 2020; 9(6): 1654.
  7. Fernandez Rivera C et al. Clin Transplant. 2022; 36(3): e14550.
  8. Thölking et al. Interim Analysis of the Protection of Renal Function after Conversion of fast IR-TAc Metabolizers to Envarsus study (The Protect RENvasus Study), ESOT poster presentation PP-400, ESOT Congress London 2025.
  9. Saran U et al. Clin Sci (Lond). 2015; 129(10): 895-914.

 

Bildquellen:

  • Headerbild: iStock.com/sorbetto
  • Abbildung 1 und 2: Chiesi 

 

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