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Immunsuppression mit Envarsus

Immunsuppression mit Envarsus® – Tacrolimus mit innovativer Galenik*

4 Minuten

Die orale Bioverfügbarkeit von Tacrolimus, welches zur Prophylaxe und Behandlung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation zum Einsatz kommt, ist relativ niedrig. Erfahren Sie, wie das Retard-Präparat Envarsus® die Versorgung verbessern könnte.

*durch MeltDose®-Technologie

 

Die orale Bioverfügbarkeit von Tacrolimus (Tac), welches zur Prophylaxe und Behandlung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation zum Einsatz kommt, ist relativ niedrig. Mithilfe der MeltDose®-Technologie wurde das Retard-Präparat Envarsus® entwickelt, das im Vergleich zu herkömmlichen Tac-Präparaten über eine höhere Bioverfügbarkeit und ein pharmakokinetisches Profil mit niedrigeren Spitzenspiegeln verfügt.3,**

 

Mit Hilfe der innovativen MeltDose®-Technologie, die beim Retard-Präparat Envarsus® zum Einsatz kommt, wird die Partikelgröße des Wirkstoffs Tacrolimus auf bis zu Einzelmolekülgröße reduziert, so dass Mischkristalle entstehen.1,2 Die verbesserte Galenik erhöht die Löslichkeit und somit die orale Bioverfügbarkeit.2 Im Vergleich zu herkömmlichen Tac-Formulierungen verfügt Envarsus® über eine höhere Bioverfügbarkeit und ein insgesamt stabiles, flacheres PK-Profil mit niedrigeren Spitzenspiegeln. Zudem weist diese Formulierung eine geringere Fluktuation des Wirkstoffs über 24 Stunden auf und muss nur 1x täglich am Morgen eingenommen werden.1,3

 

Die offene prospektive ASTCOFF-Studie, die Envarsus® mit Prograf® und Advagraf® verglich, zeigte unter Envarsus®-Therapie:3

 

  • Niedrigere Spitzenspiegel (Cmax): 17 % niedrigerer Cmax bei Envarsus® vs. Advagraf® und Prograf®
  • Geringere Fluktuation des Wirkstoffspiegels (interday peak-through fluctuations): 29 % weniger für Envarsus® vs. Prograf® und 35 % weniger für Envarsus® vs. Advagraf®
  • Dosiseinsparung von 30 % bzw. 36 % gegenüber Prograf® bzw. Advagraf®
  • Verlängerte Zeit bis zum Erreichen des Spitzenspiegels (tmax): Envarsus® 5,9 h; Prograf® 1,9 h; 1,5 Advagraf®

Abb. mod. nach Tremblay S, 2017: Unter Envarsus®-Therapie zeigt sich im Vergleich zu Prograf® bzw. Advagraf® ein flacheres PK-Profil³

Weitere mögliche Vorteile von Envarsus®

 

Besonders Patienten, die sensitiv für die Pharmakokinetik von Tacrolimus sind, können von der veränderten Galenik und einer Umstellung auf Envarsus® profitieren. Hierzu zählen beispielsweise Patient*innen mit Spitzenspiegel bedingten Nebenwirkungen sowie ältere Patient*innen über 65 Jahre.4,5,6

 

So können Tacrolimus-induzierte neurotoxische Symptome, wie zum Beispiel Tremor, durch die Umstellung auf Envarsus® verbessert werden.4,5 In der offenen, prospektiven, multizentrischen Phase-3b-Studie STRATO wurden stabile Nierentransplantierte, die unter einer bestehenden Therapie mit Prograf® einen klinischen relevanten Tremor aufwiesen, auf Envarsus® umgestellt.4,° Sieben Tage nach Konversion nahmen 78,9 % der Patient:innen z. B. eine statistisch signifikante Reduktion ihres Tremors und einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität wahr (p < 0,0005).4 Für andere Kollektive (z. B. Lebertransplantierte) wurden hingegen abweichende Ergebnisse publiziert.7 In einer kontrollierten Studie wurde zudem gezeigt, dass die Umstellung einen positiven Einfluss auf die Nierenfunktion haben könnte: In der 12-monatigen Untersuchung bei Lebertransplantierten, in der Patient*innen von Tacrolimus in Standardfreisetzung auf Envarsus® umgestellt wurden, zeigte sich, dass die Konversion mit einer Verbesserung pharmakokinetischer Parameter und einer positiven Entwicklung der Nierenfunktion assoziert war.8,# Auch neuere Daten weisen auf potenzielle renale Vorteile einer Umstellung hin. In einer retrospektiven Single-Center-Analyse bei 170 Lebertransplantierten (≥3 Monate post LTx) wurde nach Umstellung von Tacrolimus in Standardfreisetzung auf Envarsus® über 24 Monate eine Verbesserung der geschätzen glomerulären Filtrationsrate (eGFR) beobachtet.9 In der retrospektiven, multizentrischen Protect RENvarsus-Studie mit 300 NTx-Patient*innen deuten Interimsergebnisse darauf hin, dass die Konversion von schnell freisetzendem Tacrolimus auf Envarsus® bei sogenannten schnellen IR-Tac-Metabolisierern mit einer langfristigen Stabilisierung bzw. Verbesserung der Nierenfunktion über einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren assoziiert sein könnte.10

 

Zudem konnten Bunnapradist et al. zeigen, dass es bei älteren Patient*innen unter Envarsus®-Therapie im Vergleich zu Prograf® seltener zu einem Therapieversagen kam.6,$ Auch hier könnte sich die Umstellung auf Envarsus® lohnen. Darüber hinaus könnten Patienten unter Envarsus®-Therapie weniger anfällig für Medikamenten-Wechselwirkungen mit CYP3A-Inhibitoren sein.12

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Fußnoten

** Envarsus® vs. Advagraf® und Prograf®3

 

° STRATO: Offene, prospektive, multizentrische Phase-3b-Studie bei stabilen NTx-Patient:innen unter Tacrolimus-IR (Prograf®) mit klinisch relevantem Tremor; Umstellung auf LCPT; mITT n = 38; Tremorbewertung mittels FTM-Skala, Akzelerometrie, QUEST; Nachbeobachtung 7 Tage post-Konversion.4

 

# Kontrollierte Interventionsstudie bei LTx-Patient:innen; Umstellung von Tacrolimus in Standardfreisetzung auf LCPT (Envarsus®) mit 12-monatiger Nachbeobachtung; Vergleich mit einer Kontrollgruppe unter unveränderter Standardtherapie; primäre Parameter u. a. C/D-Ratio und eGFR.8

 

$ Gepoolte Analyse zweier randomisierter, kontrollierter Phase-3-Studien bei Nierentransplantierten (KTR; n = 861; LCPT n = 428, Tacrolimus BID n = 433; 38 % stabile, 62 % de novo KTR); 12-Monats-Follow-up; primärer Endpunkt „Therapieversagen“ (Tod, Transplantatverlust, biopsiegesicherte akute Abstoßung oder Verlust im Follow-up).6

Referenzen

  1. Fachinformation Envarsus®, aktueller Stand.
  2. Grinyó JM & Petruzelli S, Expert Rev Clin Immunol. 2014;10(12):1567-1579.
  3. Tremblay S et al., Am J Transplant. 2017;17(2):432-442.
  4. Langone A et al., Clin Transplant. 2015;29(9): 796-805.
  5. Sánchez Fructuoso A et al., Clin Transplant. 2020;34(1):e13767.
  6. Bunnapradist S et al., Am J Transplant. 2013;13(3):760-769.
  7. Mulder MB et al. Transpl Int. 2025;38:14189.
  8. Von Einsiedel J et al., J. Clin. Med. 2020;9(6):1654.
  9. Brol et al., ESOT 2025, Poster PP-337.
  10. Thölking et al., ESOT 2025, Poster PP-400.
  11. Huppertz A et al., Clin Pharmacol Ther. 2019.

 

Bildquelle: iStock.com/borchee

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