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LTx-Switch Studie

LCP-Tacrolimus nach Lebertransplantation – neue retrospektive Daten aus Münster!

4 Minuten

Wie beeinflusst die Umstellung von SR-Tac auf LCP-Tac Nierenfunktion, C/D-Ratio und Dosierung bei Patient*innen nach Lebertransplantation? Neue Studiendaten liefern spannende neue Erkenntnisse. Jetzt mehr erfahren! 

Einstellung von Tacrolimus – Balance zwischen Nutzen und Nephrotoxizität

Die Gabe von Calcineurin-Inhibitoren stellt einen Balanceakt dar: Einerseits muss der Tacrolimus-Blutspiegel ausreichend hoch sein, um eine adäquate Immunsuppression zu gewährleisten.1 Andererseits steigt mit zunehmender Calcineurin-Inhibitor-Konzentration das Risiko einer Nephrotoxizität.1 Um die Tacrolimus-Dosis individuell anpassen zu können, ist es daher entscheidend, die tatsächliche Bioverfügbarkeit des Präparats zu kennen.

 

Ein geeignetes Maß zur Bewertung der Bioverfügbarkeit von Tacrolimus-Präparaten ist die Konzentration/Dosis-Ratio (C/D-Ratio).2,3 Eine stabile C/D-Ratio steht dabei für konstante Wirkstoffspiegel und kann dabei helfen, toxische Spitzenspiegel zu vermeiden.3

Studienaufbau im Überblick⁴

In einer retrospektiven Single-Center-Studie untersuchten Brol et al. 170 Patient*innen nach Lebertransplantation über einen Zeitraum von 24 Monaten. Ziel war es, zu evaluieren, inwieweit sich ein Wechsel von Standard Release Tacrolimus (SR-Tac) auf Life Cycle Pharma Tacrolimus (LCP-Tac) auf die Nierenfunktion auswirkt. Zudem wurde die Entwicklung der C/D-Ratio unter beiden Präparaten im Studienverlauf beobachtet.

 

Eingeschlossen wurden stabile Patient*innen, deren Lebertransplantation mindestens drei Monate zurück lag und die eine Tacrolimus-basierte Immunsuppression erhielten. Voraussetzung war zudem das Vorliegen von Daten zu Tacrolimus-Blutspiegeln und zur geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) vor der Umstellung. Im Verlauf der Studie wurden 64 Patient*innen unter LCP-Tac und 107 Patient*innen unter SR-Tac Immunsuppression beobachtet.

 

Primäre Endpunkte der Studie waren die C/D-Ratio und die eGFR nach dem Wechsel auf LCP-Tac sowie deren Verlauf über den Studienzeitraum (3-24 Monate, Endpunktbestimmung alle 3 Monate). Als wichtiger sekundärer Endpunkt wurde die Veränderung dieser Parameter über den 24-monatigen Beobachtungszeitraum im Vergleich zu den letzten verfügbaren Werten vor Umstellung auf LCP-Tac untersucht. In weiteren Auswertungen werden die Inzidenz der chronischen Abstoßungen sowie Transplantationsversagen anhand erhobener Laborparameter untersucht.

LCP-Tac – Verlauf der Nierenfunktion nach Umstellung⁴

Zu Beginn zeigten beide Gruppen eine ähnliche Verteilung der Stadien chronischer Nierenerkrankungen (CKD). Während die durchschnittliche eGFR in beiden Gruppen vor der Umstellung vergleichbar war, zeigte sich in der LCP-Tac-Gruppe bereits drei Monate nach dem Wechsel eine anhaltende Verbesserung der eGFR im Vergleich zur Baseline und zur Zeit vor der Umstellung. Über den gesamten Studienverlauf blieb die eGFR-Slope für Patient*innen unter LCP-Tac signifikant höher (Abb. 1). 

Abb. 1: Veränderung der eGFR über 24 Monate. Modifiziert nach 4.

Besonders interessant waren die Ergebnisse der Subgruppe bei Patient*innen mit komorbidem Diabetes: Unter SR-Tac wiesen diese eine tendenziell niedrigere und stetig abnehmende eGFR auf als Patient*innen ohne Diabetes. In der LCP-Tac-Gruppe hingegen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der eGFR zwischen Patient*innen mit oder ohne Diabetes sowie zwischen Baseline und Ende der Beobachtungsperiode (Abb. 2).

Abb. 2: Mittlere eGFR-Werte bei Patient*innen mit und ohne Diabetes. Modifiziert nach 4.

Vorteil im Verlauf der C/D-Ratio für LCP-Tac⁴

Im Verlauf der Studie zeigte LCP-Tac eine stabile und überwiegend signifikant höhere C/D-Ratio als SR-Tac – und das trotz niedrigerer Dosierung (p < 0.05). Dies spricht für eine hohe Bioverfügbarkeit von LCP-Tac, auch bei geringeren Dosen, was wiederum zu einer reduzierten Nephrotoxizität beitragen kann (Abb. 3).

Abb. 3: Verlauf der Tacrolimus-Dosis und C/D-Ratio. Statistische Vergleiche zwischen den Gruppen bei jedem Besuch wurden mithilfe des Mann–Whitney-U-Tests durchgeführt. Ein p-Wert < 0,05 wurde als statistisch signifikant angesehen. Modifiziert nach 4.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie liefern Hinweise darauf, dass ein Wechsel auf LCP-Tac die Nierenfunktion nach Lebertransplantation positiv beeinflussen kann – insbesondere bei Patient*innen mit Diabetes. Darüber hinaus deutet die stabile und höhere C/D-Ratio auf einen pharmakokinetischen Vorteil von LCP-Tac gegenüber SR-Tac hin, der potenziell zu einer geringeren Toxizität beitragen kann.

Referenzen

  1. Farouk SS, Rein JL. Adv Chronic Kidney Dis. 2020 ;27(1):56-66.
  2. Thölking G et al. PLoS One. 2014 23;9(10):e111128.
  3. Thölking G et al. J Clin Med. 2019 2;8(10):1586.
  4. Brol MJ, et al. Conversion from standard-release to prolonged-release tacrolimus mitigates calcineurin-induced nephrotoxicity in patients after liver transplantation. J Hepatol. 2025;82(Suppl 1):S388-S389.

 

Bildquelle: iStock.com/ BeritK

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