Eine Ärztin sitzt mit ihrem Laptop auf einer großen Lupe mit Nieren

Herausforderungen annehmen: Immunsuppression bei Fast Metabolizern

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Bei der Immunsuppression unter Tacrolimus nach einer Nierentransplantation kann es vor allem bei Fast Metabolizern zu schweren nephrotoxischen Effekten kommen. Erfahren Sie, wie sich diese mit Hilfe der C/D-Ratio abschätzen lassen!

Tacrolimus (Tac) gehört zur Standardtherapie in der Immunsuppression nach einer Nierentransplantation (NTx).1 Die Pharmakokinetik des Calcineurin-Inhibitors ist inter- und intraindividuell sehr variabel, da sein Metabolismus von konstanten und dynamischen individuellen Faktoren beeinflusst wird (Abb. 1).1-4 Eine therapeutische Überwachung bei Wirkstoffgabe ist nötig – auch weil es unter Tac zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, z.B. nephrotoxischen Effekten, kommen kann.1,5 Die Bestimmung der Tac-Metabolisierungsrate kann dabei helfen, das Risiko möglicher Toxizitäten abzuschätzen.1,5

Abbildung 1: Das pharmakokinetische Profil von Tacrolimus kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.

C/D-Ratio: Unterscheidung von Fast und Slow Metabolizern nach NTx⁵

Abbildung 2: Konzentrations/Dosis-Verhältnis (C/D-Ratio). Modifiziert nach 5.

Das Konzentrations/Dosis-Verhältnis (C/D-Ratio, Abb. 2) hilft bei der Abschätzung von Tac-vermittelten unerwünschten Ereignissen und sollte 1-3 Monate nach NTx bestimmt werden.5 Die folgenden Grenzen werden für Slow und Fast Metabolizer empfohlen:7

 

  • Fast Metabolizer ≤ 1,0 ng/ml*1/mg
  • Slow Metabolizer > 1,0 ng/ml*1/mg

 

Die Nierenfunktion nach einer NTx ist bei Fast Metabolizern aufgrund von Tac-induzierten Toxizitäten häufig schlechter als bei Slow Metabolizern.5,8 Bei Fast Metabolizern kommt es häufiger zu Abstoßreaktionen und es besteht eine größere Gefahr für Infektionen sowie eine höhere Inzidenz von interstitiellen Fibrosen und tubulären Atrophien.1,9,10 Dies führt insgesamt zu einem schlechteren 5-Jahres-Transplantatüberleben und ist mit einer höheren Mortalität assoziiert, wie retrospektive Kohortenstudien zeigten.9,11

Unterschiede in der Tac-Therapie

Tac gibt es in drei Formulierungen zur oralen Einnahme:5

 

  1. Immediate-release Tac (IR-Tac) wurde als erstes zugelassen und wird zweimal täglich verabreicht.12 Dadurch ergeben sich zwei Konzentrationsspitzen: morgens 1,5 bis 2 Stunden nach der Einnahme sowie ca. 12 Stunden später.12
  2. Prolonged-release Tac (PR-Tac) wurde für eine vereinfachte Verabreichung entwickelt und wird einmal täglich eingenommen, was zu einer höheren Adhärenz führte.13,14,* PR-Tac führt zu nur einer Konzentrationsspitze, welche mit der ersten unter IR-Tac vergleichbar ist.13;*
  3. Life Cycle Pharma Tac (LCP-Tac, Envarsus®) nutzt die MeltDose®-Technologie für eine langanhaltende Freisetzung des Wirkstoffs.13,15,* Der Wirkstoff wird über den gesamten gastrointestinalen Trakt aufgenommen, was zu weniger starken Konzentrationsspitzen führt.13,15,*

Abbildung 3: Unter LCP-Tac-Therapie zeigt sich im Vergleich zu IR- bzw. PR-Tac ein flacheres pharmakokinetisches Profil. Modifiziert nach 13.*

Fazit

Vor allem Fast Metabolizer sind von den nephrotoxischen Nebenwirkungen einer Immunsuppression mit Tac betroffen.1,5 Dies resultiert in einem schlechteren 5-Jahres-Transplantatüberleben und einer höheren Mortalität.9,11 Mit Hilfe des Konzentrations/Dosis-Verhältnisses (C/D-Ratio) kann das Risiko möglicher Nebenwirkungen abgeschätzt werden, was eine patient*innenindividuelle Behandlung ermöglicht.5 Tac ist in drei verschiedenen Formulierungen verfügbar, wobei LCP-Tac ein flacheres PK-Profil mit niedrigeren Konzentrationsspitzen aufweist.5,13,*

 

Doch das Outcome für Fast Metabolizer kann sich verbessern lassen. Mehr dazu, wie Fast Metabolizer laut aktuellen Studien von einem Wechsel zu LCP-Tac profitieren können, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag „Chancen nutzen: Immunsuppression mit LCP-Tacrolimus bei Fast Metabolizern“!

Fußnoten:

* Die Ergebnisse basieren auf einer pharmakokinetischen Cross-over-Studie mit 30 stabilen nierentransplantierten Patient*innen und kurzen Behandlungsphasen von jeweils 7 Tagen. Untersucht wurden Unterschiede in Exposition, Konzentrationsverlauf und Dosiskonversion unter standardisierten Bedingungen.13

 

Abkürzungen:

  • PR-Tac: Prolonged-release Tac
  • IR-Tac: Immediate-release Tac
  • LCP-Tac: Life Cycle Pharma Tac
  • Tac: Tacrolimus

Referenzen

  1. Thölking G et al. J Clin Med. 2020; 9(2): 328.
  2. Vanhove T et al. Am J Transplant. 2016; 16(10): 2954-2963.
  3. Shuker N et al. Transpl Int. 2016; 29(11): 1158-1167.
  4. Stratta P et al. Eur J Clin Pharmacol. 2012; 68(5): 671-680.
  5. Thölking G et al. J Clin Med. 2022; 11(5): 1290.
  6. Oberbauer R et al. Transplant Rev. 2020; 34(2): 100531.
  7. Thölking G et al. J Clin Med. 2025; 14(8):2542.
  8. Nowicka M et al. Kidney Blood Press Res. 2019; 44: 1075-1088.
  9. Schütte-Nütgen K et al. J Clin Med. 2019; 8: 587.
  10. Thölking G et al. Sci Rep. 2016; 6: 32273.
  11. Jouve T et al. Transplantation. 2020; 104: 1263-1271.
  12. Fachinformation Prograf®, Stand Oktober 2022.
  13. Tremblay S et al. Am J Transplant. 2017; 17(2): 432-442.
  14. Kuypers DRJ. Clin Pharmacol Ther. 2020; 107(2): 347-358.
  15. Fachinformation Envarsus®, aktueller Stand.

 

Bildquellen:

  • Headerbild: iStock.com/sorbetto
  • Abbildung 1, 2 und 3: Chiesi

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