Transplantation bei sorgfältiger Auswahl möglich
Ein Fallbericht aus dem Jahr 2021 beschreibt die En-bloc-Transplantation einer Hufeisenniere von einem verstorbenen Spender, nachdem dieser aufgrund einer intrakraniellen Blutung für hirntot erklärt wurde.1 Die Hufeisenniere war ein Zufallsbefund während einer präoperativen, kontrastmittelgestützten CT-Untersuchung, die zur Beurteilung der Gefäßversorgung der Leber durchgeführt wurde.1
Die rechte Niere des Spenders war 12,5 cm lang, die linke Niere 13,7 cm. Sie waren an ihrem unteren Pol miteinander verbunden und wurden über gemeinsame Gefäße versorgt. Da eine Isthmusektomie aufgrund dieser Gefäßversorgung zu einer ischämischen Schädigung mindestens einer Niere hätte führen können, entschieden sich die Mediziner*innen für eine En-bloc-Transplantation.1 Das Transplantat wog 450 g und war insgesamt 13,7 cm lang sowie 20 cm breit.1
Transplantat nicht für ersten Empfänger der Warteliste geeignet
Aufgrund der Größe des Allotransplantats und seiner Komplexität kamen für die Transplantation nicht alle Personen auf der Warteliste in Frage. So sollte der Empfänger oder die Empfängerin möglichst eine große Bauchhöhle, ein gutes Herzzeitvolumen und eine physiologische Blutgerinnung aufweisen, um eine gute Perfusion dieses großen Transplantats zu gewährleisten.1 Da die erste Person auf der Warteliste aufgrund einer erheblichen präoperativen Hypotonie für die Transplantation nicht infrage kam, wurde schließlich eine andere Empfängerin benannt, was zu einer Verlängerung der kalten Ischämiezeit führte. Diese betrug insgesamt 21 Stunden. Die warme Ischämiezeit lag bei 40 Minuten.1
Die Empfängerin war 150 cm groß und hatte ein Gewicht von 40 kg. Sie litt aufgrund des Alport-Syndroms an einer Nierenerkrankung im Endstadium und war auf eine peritoneale Dialyse angewiesen. Nach Aufklärung über mögliche Komplikationen, Risiken und Vorteile der Nierentransplantation, insbesondere im Zusammenhang mit der Verwendung einer Hufeisenniere, wurde die Transplantation schließlich durchgeführt.1
Da die Empfängerin eine schlanke Statur aufwies, entschieden sich die Mediziner*innen bei der Transplantation für eine längere Inzision, eine umfassende Mobilisierung und den Verschluss des Abdomens mit einem Netz.1 Postoperativ wurde die Patientin zunächst über Nacht auf der Intensivstation behandelt. Sie wurde elektiv beatmet und erhielt Muskelrelaxantien. Zudem wurde die adäquate Durchblutung des Transplantats mittels Sonographie überprüft und zum Ausschluss eines intraabdominellen und renalen Allotransplant-Kompartmentsyndroms der intraabdominelle Druck während des Aufenthalts auf der Intensivstation überwacht.
Entlassung am sechsten Tag nach OP
Die postoperative Urinausscheidung der Patientin lag zwischen 5 und 8 ml/kg/Stunde. Der Kreatininwert sank innerhalb von 2 Tagen von präoperativen 1263 mmol/L auf den Normalbereich von 93 mmol/L. Die Patientin wurde am ersten postoperativen Tag auf die Normalstation verlegt und am sechsten Tag nach der Operation schließlich entlassen.
Die Immunsuppression umfasste die Induktion mit Thymoglobulin und die Aufrechterhaltung mit Tacrolimus und Mycophenolat in oraler Form. Zum Zeitpunkt des Fallberichts lag die Transplantation bereits 42 Wochen zurück, wobei die Patientin bis dahin einen guten Allgemeinzustand aufwies. Der letzte Kreatininwert lag bei 55 mmol/L.
Wachsende Evidenz für den Einsatz von Hufeisennieren
Mit dem Fallbericht wollen die Mediziner*innen darauf hinweisen, dass Hufeisennieren bei sorgfältiger Auswahl trotz ihrer besonderen Anatomie für Transplantationen geeignet sind und dazu beitragen können, den Spenderpool zu vergrößern.1 Als hilfreich beschreiben sie hierbei die präoperativ durchgeführte CT-Angiografie, auch wenn diese bei verstorbenen Spendern nicht allgemein praktiziert wird.1
Aktuelle Daten bestätigen diese Einschätzung: Eine Fallserie aus dem Jahr 2025 mit drei Transplantationen von Hufeisennieren zeigt, dass bei entsprechend angepasster chirurgischer Technik eine Transplantation möglich ist. In allen Fällen wurde aufgrund eines stark vaskularisierten Isthmus eine En-bloc-Transplantation durchgeführt.6 Der postoperative Verlauf war komplikationslos, auch wenn es teilweise zu einer verzögerten Transplantatfunktion kam, die sich rasch zurückbildete.6 Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von etwa vier Jahren wiesen alle Empfänger*innen eine gute Transplantatfunktion auf.6 Die Autor*innen unterstreichen zudem die zentrale Rolle der präoperativen Analyse der Gefäßanatomie für die Entscheidung zwischen En-bloc-Transplantation und Teilung des Organs.6
Den gesamten Bericht zum Nachlesen finden Sie hier.
Hier kommen Sie zu der Fallserie.
Referenzen
- Sengupat B, Khan I, Saiaghi A et al. En Bloc Transplantation of Horseshoe Kidney from Deceased Donor: An Unusual Transplantation Utilizing Kidneys with Congenital Fusion Abnormality. Case Transplant. 2021: 2286831. Published online 2021 Aug 11. doi: 10.1155/2021/2286831.
- Bauer SB Anomalies of the Upper Urinary Tract. 9th. Vol. 4. Saunders, Philadelphia, Pa, USA: in Campbell-Walsh Urology; 2007.
- Stroosma O B, Scheltinga M. R., Stubenitsky B M, Kootstra G. Horseshoe kidney transplantation: an overview. Clinical Transplantation. 2000;14(6):515–519.
- Nemes B, Kanyári Z, Zádori G, et al. Horseshoe kidney transplantation. Interventional Medicine & Applied Science. 2015;7(2):85–89.
- Sozener U. Transplantation of a horseshoe kidney from a living donor using stapler for transsection. Journal of Surgical Case Reports. 2019;2019(11).
- Abbas H et al. Horseshoe kidney transplantation: a single institution case series. Am J Transplant. 2025;25(8 Suppl 1):S675S676.
Bildquellen:
- Headerbild: iStock.com/AlexRaths
- Abbildung 1: Anomalies and normal variants - MT-Dialog. Bildquelle: Hg6996