Da dank der Fortschritte in der neonatologischen Versorgung die Zahl der Überlebenden nach einer Frühgeburt immer weiter steigt, ist es wichtig, diejenigen Kinder zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko für Lungenfunktionsstörungen tragen. Klinische Diagnosen wie beispielsweise eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD) haben sich dazu als ungeeignet erwiesen. Eine australische Arbeitsgruppe hat nun mithilfe einer gruppenbasierten Verlaufsmodellierung versucht, die unterschiedlichen Lungenfunktionsverläufe zu erfassen. Dies könnte die Grundlage bilden für Risikostratifizierungen und Früherkennungsprogramme, auf deren Basis gezielte Interventionen erfolgen können, bevor sich klinisch signifikante Atemwegsobstruktionen entwickeln.
In die Verlaufsmodellierung flossen die Daten von 116 Frühgeborenen ein, die mit einem Gestationsalter von höchstens 32 Wochen im King Edward Memorial Hospital in Perth versorgt worden waren. Im Verlauf der Nachsorge erhielten sie an bis zu vier Zeitpunkten im Alter zwischen 4 und 23 Jahren eine Lungenfunktionsuntersuchung, bei der neben der Einsekundenkapazität (FEV1) auch die forcierte Vitalkapazität (FVC) sowie die Z-Scores aus FEV1/FVC erfasst wurden. Als Kontrolle dienten 39 Reifgeborene, die sich den gleichen Untersuchungen unterzogen.
Es zeigte sich, dass bei den Reifgeborenen die Verlaufsmuster für diese Untersuchungen stabil blieben: wer beispielsweise in der ersten Spirometrie eine hoch-normale oder normale Lungenfunktion aufwies, behielt diese auch in den nachfolgenden Untersuchungen. Bei den Frühgeborenen war dies nicht bei allen der Fall.
Die FEV1-Verläufe rangierten für 38 % der Reifgeborenen stabil im hoch-normalen und für 62 % im normalen Bereich. Solche hoch-normalen bzw. normalen Verläufe fand man bei den Frühgeborenen bei 22 % bzw. 63 %; die übrigen 16 % wiesen dagegen eine von vorneherein niedrige FEV1 auf, die im Verlauf noch weiter abnahm.
Bei der FVC zeichneten sich bei den Reifgeborenen drei Gruppen ab: 16 % hatten eine stabil hoch-normale FVC, bei 69 % war sie stabil normal und bei 16 % stabil niedrig-normal. Bei den Frühgeborenen war sie in 8 % stabil hoch-normal, während sie 42 % im normalen Bereich und bei 50 % niedrig startete, sich im Verlauf bei beiden Gruppen jedoch verbesserte.
Für den Quotient FEV1/FVC ergaben sich für 45 % der Reifgeborenen stabile Verläufe im oberen oder im unteren Normbereich (45 % bzw. 55 %). Bei den Frühgeborenen blieben nur 7 % stabil im oberen Normbereich, während 50 % in der frühen Kindheit einen anfänglichen Rückgang zeigten, um sich dann im jungen Erwachsenenalter im niedrig-normalen Bereich zu stabilisieren. Dagegen lag dieser Quotient bei 43 % bereits zu Beginn sehr niedrig, nahm im Verlauf noch weiter ab und erreichte im jungen Erwachsenenalter einen Z-Score von -2,2. In der multivariaten Analyse konnten verschiedene Risikoprofile für einen abfallenden FEV1-Verlauf identifiziert werden: Protektiv wirkten ein höheres Gestationsalter und Geburtsgewicht, während das Risiko bei niedrigen FEV1-Werten in der frühen Kindheit, einer Asthma-Diagnose oder Auffälligkeiten im Thorax-CT anstieg.
Im Hinblick auf den FEV1/FCV-Abfall war ein höherer FEV1-Wert in der frühen Kindheit protektiv; als ungünstig erwiesen sich CT-Anomalien, eine Asthma-Diagnose sowie eine ausgeprägte Reaktion auf Bronchodilatatoren im frühen Erwachsenenalter.
Generell schlussfolgern die Autoren, dass insbesondere extrem Frühgeborene häufiger Verläufe mit fortschreitender Atemwegsverengung zeigen und daher ein erhebliches Risiko für eine früh einsetzende COPD tragen. Das Vorliegen einer BPD genügt hingegen nicht, um das respiratorische Lebenszeitrisiko abschätzen zu können.
Referenzen
Gibbons JTD, Smith EF, Wilson AC, Simpson SJ. Determinants of declining lung function trajectories from childhood to adulthood after preterm birth. Thorax 2026 May 7: thorax-2025-223725. doi: 10.1136/thorax-2025-223725 [epub ahead of print]
Bildquelle: Daria Kulkova/iStock via Getty Images
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