Bislang gibt es jedoch kaum Studien, die das motorische Outcome extrem unreifer Frühgeborener länger nachverfolgen als bis in die frühe Kindheit. Um diese Lücke zu schließen, hat eine schwedische Arbeitsgruppe ehemalige extrem unreife Frühgeborene im Alter von 12 Jahren systematisch nachuntersucht und die Ergebnisse mit denen einer reifgeborenen Kontrollgruppe verglichen.
Die Daten stammen aus der prospektiven, bevölkerungsbasierten EXPRESS-Studie (Extremely Preterm Infants in Sweden Study), in die Frühgeborene mit einem Gestationsalter unter 27 Wochen eingeschlossen wurden, die zwischen April 2004 und März 2007 zur Welt gekommen sind. Im Alter von 12 Jahren erhielten 268 ehemalige Frühgeborene und eine Kontrollgruppe aus 196 gleichaltrigen reifgeborenen Kindern ein breit angelegtes Follow-up. Dieses umfasste neben einer klinischen Untersuchung auch einen Elternfragebogen sowie die standardisierte Evaluation von Kognition, Neurostatus und motorischen Fähigkeiten. Von der Studienteilnahme ausgeschlossen waren Kinder mit CP sowie solche, die an einer gravierenden entwicklungsneurologischen Störung wie schwere kognitive Behinderung, Schwerhörigkeit oder Blindheit litten.
Im Rahmen dieses Follow-ups absolvierten die Kinder mit 12 Jahren die Movement Assessment Battery for Children, second edition (MABC-2), die insbesondere die manuelle Geschicklichkeit, Ballfertigkeiten und die Gleichgewichtskontrolle erfasst. Ergebnisse oberhalb der 15. Perzentile wurden als unauffällig klassifiziert, bis zur 6. Perzentile lag ein erhöhtes Risiko für motorische Probleme vor. Bei Ergebnissen auf oder unter der 5. Perzentile war mit signifikanten motorischen Beeinträchtigungen zu rechnen. Zusätzlich wurde über das Nationale Patientenregister eruiert, ob eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS), eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), eine Sprachstörung oder eine milde intellektuelle Beeinträchtigung vorlag.
Die Auswertung ergab, dass motorische Probleme bei extrem Frühgeborenen mit 30 % vs. 3 % in der Kontrollgruppe signifikant häufiger auftraten; die für Geschlecht und Mehrlingsgeburten bereinigte Odds ratio (aOR) lag bei 16,99, das 95%-Konfidenzintervall (95%-KI) bei 6.6–43,5; p<0,0001. Am deutlichsten zeigte sich dies bei Problemen mit dem Gleichgewicht (aOR 26,4; 95%-KI 6,3–110,9; p<0,0001). Als Prädiktoren für motorische Störungen wurden männliches Geschlecht und niedriges Gestationsalter identifiziert. ASS und ADHS traten bei Frühgeborenen im Vergleich zu Reifgeborenen um den Faktor 9,8 bzw. 12,4 häufiger auf (95%-KI 5,8–13,8 bzw. 6,2–18,5); unter den Frühgeborenen waren es insbesondere die Kinder mit motorischen Problemen, die davon betroffen waren (p<0,0001). Wie der Elternfragebogen ergab, zeigten Frühgeborene mit motorischen Auffälligkeiten auch deutlich häufiger Probleme mit der Fein- und der Grobmotorik als Kinder, die in der MABC-2 oberhalb der 15. Perzentile lagen. Nichtsdestotrotz hatten nur 9,5 % der Frühgeborenen mit motorischen Problemen im vorangegangenen Jahr eine Physiotherapie erhalten.
Die Autoren folgern daher, dass die motorischen Beeinträchtigungen von Eltern häufig unterschätzt werden, sodass die Kinder keine adäquate Unterstützung erhalten. Die Studie verdeutlicht, wie wichtig es ist, die motorischen Funktionen insbesondere bei Hochrisiko-Frühgeborenen bis ins mittlere Schulalter wiederholt zu überprüfen, damit Kinder mit Beeinträchtigungen rechtzeitig zielgerichtet individuell gefördert werden können.
Referenzen
Örtqvist M, Padilla N, Montgomery C, et al. Motor difficulties and associated risk factors at 12 years in children born extremely preterm: a population-based cohort study. Arch Dis Child 2026 May 8:archdischild-2025-329687. doi: 10.1136/archdischild-2025-329687 [epub ahead of print]
Bildquelle: microgen/iStock via Getty Images
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