Strategien bei COPD
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Schon 2023 wurde das ABCD-Schema zur Risikoklassifikation in ein ABE-Schema überführt. Neu ist, dass bereits eine moderate Exazerbation pro Jahr zur Einstufung in die Hochrisikogruppe E und damit zu entsprechendem Handlungsbedarf führt. Beginnt das Therapie-Stufenschema mit langwirksamen Bronchodilatatoren, wobei die frühe duale Therapie üblich ist (LAMA/LABA), bedarf das Auftreten von bereits einer moderaten bis schweren Exazerbation der Eskalation durch ein inhalatives Kortikosteroid (ICS).
„Ärztinnen und Ärzte sollten ihre Patientinnen und Patienten gezielt nach einer Symptomverschlechterung fragen und im Fall einer Exazerbation unter dualer Therapie lieber auf eine Triple-Therapie umstellen, als zu lange zu warten und eine weitere Verschlechterung zu riskieren“, meinte Dr. Karin Anton. Auch die deutsche fachärztliche Leitlinie empfiehlt nach einer moderaten oder schweren Exazerbation unter LAMA/LABA die zügige Eskalation auf eine Triple-Therapie einschließlich ICS, um vor künftigen Exazerbationen zu schützen2. So ist zum Beispiel die extrafeine Dreifach-Fixkombination Beclomethason/Formoterol/Glycopyrronium (Trimbow®) zur Erhaltungstherapie bei moderater bis schwerer COPD zugelassen, wenn diese unter dualer Therapie nicht ausreichend kontrolliert ist3. Auch aus Gründen der besseren Adhärenz kann die fixe Dreifachkombination im Vergleich zur Nutzung einzelner Inhalationsgeräte vorteilhaft sein, sagt Dessureault.
Bestehen Unsicherheiten bzgl. des Nutzens einer ICS-Gabe, kann die Bluteosinophilenzahl als unterstützender Biomarker herangezogen werden. Unter bereits laufender dualer Bronchodilatation, aber fortbestehenden Exazerbationen und Bluteosinophilen ≥100/µl, soll auf die Triple-Therapie eskaliert werden2. Der Pneumologe wies darauf hin, dass die Eosinophilen-Spiegel regelmäßig kontrolliert werden müssen; dabei ist eine gewisse Variabilität der Messwerte, die als Richtwerte gesehen werden, zu berücksichtigen.
Vorgehen bei Asthma
Ein grundlegender Unterschied zu COPD ist, dass die Asthmatherapie frühzeitig ICS-basiert erfolgen soll. Idealerweise wird bereits in Stufe 1 mit der Kombination ICS/LABA behandelt, um das entzündungsbedingte Remodeling der Lunge aufzuhalten 4–6*. Hinsichtlich der kontinuierlichen Verlaufsbeurteilung und der Therapieadhärenz komme der hausärztlichen Praxis eine Schlüsselrolle zu, meinte Dessureault. Dies gewinnt zusätzliche Bedeutung, da die Asthma-Remission inzwischen als ergänzendes Therapieziel neben der Asthmakontrolle betrachtet wird. Mit Remission ist die vollständige Symptomfreiheit bei stabiler Lungenfunktion gemeint, ohne Exazerbationen sowie ohne Bedarf an systemischen Glukokortikoiden über mehr als 12 Monate5. In der im Februar 2026 veröffentlichten Real-World-Studie TriMaximize wurde ein ACT ≥20 als vollständige Symptomfreiheit definiert, eine stabile Lungenfunktion als eine FEV1-Verbesserung oder eine Verschlechterung von höchstens 5% des vorhergesagten Werts 7.
Bei nicht ausreichender Asthmakontrolle unter ICS/LABA empfehlen GINA sowie die deutschen Leitlinien eine Therapieeskalation mit einer Dreifachkombination, um langfristigen Erkrankungsfolgen vorzubeugen4–6. „Unser Ziel ist nicht die dauerhafte Eskalation von Steroiden, sondern eine optimale Asthmakontrolle mit der niedrigstmöglichen wirksamen Steroidbelastung. Deshalb sollten sowohl orale Kortikosteroide als auch langfristig unnötig hohe ICS-Dosen vermieden werden“, erläuterte Dessureault. Nur, wenn sich mit der Triple-Therapie bei guter Adhärenz und adäquater Inhalationstechnik keine gute Asthmakontrolle erreichen lässt, sind die Kriterien für ein schweres Asthma und eine Behandlung mit Biologika erfüllt5. „Bei Asthma-Patientinnen und -Patienten können wir die Dreifachkombination leitlinienkonform ausreizen, viele Patientinnen und Patienten unter Kontrolle bringen und so den Einsatz von Biologika für die Fälle vorbehalten, in denen sie wirklich nötig sind", meint Anton. „Wir sehen in der Praxis, dass dieses Vorgehen gut funktioniert.“
Auf einen Blick
- Mit der extrafeinen Dreifach-Fixkombination Beclomethason/Formoterol/Glycopyrronium können Patientinnen und Patienten mit COPD und Asthma leitlinienkonform in der Hausarztpraxis versorgt werden.
- Das Risiko für Exazerbationen kann bei COPD bei rechtzeitiger Therapieeskalation reduziert werden.
- Patientinnen und Patienten mit unkontrolliertem Asthma unter ICS/LABA können auf eine fixe Triple-Therapie umgestellt werden.
Alltag kooperativ meistern
Die Bedeutung einer guten Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten bei der Versorgung Lungenkranker verdeutlichte Dr. Anton anhand von fiktiven Fallbeispielen. Hausärztliche Aufgaben sind die initiale Diagnosestellung, der Therapiebeginn und das Monitoring. Praktische Herausforderungen sind dabei, die korrekte Inhalationstechnik sicherzustellen, sicher zwischen Asthma und COPD zu differenzieren, mögliche Komorbiditäten systematisch zu erfassen sowie Biomarker wie z. B. Bluteosinophile regelmäßig zu kontrollieren.
Dabei sollte grundsätzlich nicht mit einer Therapieeskalation gewartet werden, bis die Betroffenen einer stationären Behandlung bedürfen. Bei sich verschlechternder Lungenfunktion, fehlender Reversibilität der Obstruktion oder Verdacht auf strukturelle Veränderungen ist die weiterführende Funktionsdiagnostik und gegebenenfalls Bildgebung essenziell. Dies erfordert die Konsultation von Kolleginnen und Kollegen mit pneumologischer Expertise.
Fußnoten
ACT: Asthma Control Test
FEV1: Forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde
* Fixkombination (ICS niedrigdosiert + Formoterol)
bedarfsorientiert in Stufe 1 und 2 in Deutschland nicht zugelassen (Stand Juni 2026)
Referenzen
- Global Strategy for the Diagnosis, Management and Prevention of COPD, Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) Report 2026. https://goldcopd.org/2026-gold-report-and-pocket-guide/ [Abgerufen am 07.04.2026]
- S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD 2026, AWMF-Registernr. 020-006
- Fachinformation Trimbow®, aktueller Stand
- Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2026 update). The Global Initiative for Asthma (GINA).
https://ginasthma.org/2026-gina-strategy-report/ [Abgerufen am 15.05.2026] - S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von Asthma, AWMF-Registernr. 020-009
- S3-Leitlinie Nationale Versorgungsleitlinie Asthma, Version 5.0,
AWMF-Registernr. nvl-002 - Gessner C et al. J Asthma Allergy 2026;19:1–21
Zusätzliche Angaben
Report in „Hausärztliche Praxis“ 12/2026.
Quelle: Pressekonferenz „Praxiswerkstatt Asthma & COPD – Leitlinien umsetzen, Alltag meistern“ am 18.04.2026 in Wiesbaden.
Veranstalter: Chiesi GmbH.
Bericht: Dr. Thomas Meißner. V.i.S.d.P.: J. Dielmann-von Berg
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keine Verantwortung für diese Inhalte
Mit freundlicher Unterstützung von Chiesi
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