Sehr unreife Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko, Hirnschädigungen zu erleiden, die ihre langfristige neurologische Entwicklung beeinträchtigen können. Gefürchtet sind insbesondere intrakranielle Blutungen und Schädigungen der weißen Substanz. Mittels kraniellem Ultraschall (cUS) lassen sich diese Veränderungen früh aufspüren, doch wann der günstigste Zeitpunkt für diese Untersuchung ist, wurde bislang nicht geklärt. In vielen Häusern wird ein abschließendes cUS-Screening im Lebensalter von 6 Wochen durchgeführt – doch je nachdem, in welcher Gestationswoche das Kind zur Welt gekommen ist, ist die Hirnreifung zu diesem Zeitpunkt ganz unterschiedlich weit vorangeschritten. Aus diesem Grund hat eine australische Arbeitsgruppe mit einer prospektiven Kohortenstudie untersucht, ob die Aussagekraft des cUS möglicherweise höher ist, wenn er zum errechneten Geburtstermin erfolgt.
Im Rahmen dieser Studie erhielten insgesamt 69 sehr unreife Frühgeborene sowohl im postnatalen Alter von 6 Wochen sowie zum errechneten Geburtstermin einen cUS. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kinder im Median 85 Tage alt (Interquartilsabstand 77,5–101). Ihr Gestationsalter betrug im Schnitt 27,1 Wochen und das Geburtsgewicht 813 Gramm. 48 dieser Kinder wiesen im Hirnscan im Alter von 6 Wochen strukturelle Auffälligkeiten auf (70 %). Zum errechneten Geburtstermin waren diese Läsionen bei 36 Kindern weiterhin unverändert nachweisbar; bei 9 waren weitere hinzugekommen, während sich der Befund bei 3 Frühgeborenen völlig normalisiert hatte. Unter den 21 Frühgeborenen mit zuvor unauffälligem cUS waren bei 17 neue pathologische Befunde erkennbar. Insgesamt wiesen zum errechneten Termin 62 der 69 Frühgeborenen (90 %) einen auffälligen cUS auf; daraus ergab sich ein statistisch hochsignifikanter Anstieg der pathologischen Befunde zwischen diesen beiden Untersuchungszeitpunkten (p=0,001).
Rund bei einem Drittel der Frühgeborenen (n=26; 38 %) zeigte der Scan zum errechneten Geburtstermin Veränderungen, die im Alter von 6 Wochen noch nicht erkennbar waren. Diese abweichenden Untersuchungsergebnisse betrafen insbesondere Vergrößerungen der Seitenventrikel, parenchymale Zysten sowie Erweiterungen des Interhemisphärenspalts und des Subarachnoidalraums. Dabei hatte sich der Subarachnoidalraum im Schnitt von 3,0 auf 5,2 mm vergrößert und der Interhemisphärenspalt von 3,3 auf 4,7 mm. Diese Veränderungen entwickeln sich offenbar zunehmend im Verlauf der postnatalen Hirnreifung. Die Autoren betonen daher den Nutzen eines zusätzlichen kraniellen Ultraschalls im postmenstruellen Alter von 40 Wochen, der in größeren Studien noch bestätigt werden sollte.
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