Chronische Nierenerkrankung: Die stille Pandemie
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) betrifft weltweit etwa 10 % der Bevölkerung und stellt damit eine der größten globalen Gesundheitsherausforderungen dar.1,2 Sie verläuft in frühen Stadien häufig asymptomatisch und wird nicht selten erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. In fortgeschrittenen Stadien kann es zu einem Nierenversagen kommen, das eine Behandlung durch Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich macht.1
CKD ist nicht nur eine Vorstufe terminaler Niereninsuffizienz, sondern ein eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Sie erhöht Morbidität und Mortalität erheblich und verschärft gesundheitliche Ungleichheiten, da sozial benachteiligte Gruppen überproportional betroffen sind.1
Umwelt und Nierengesundheit
Den Planeten schützen – beim ersten Lesen mag sich die Frage stellen: Was hat die Umwelt eigentlich mit Nierengesundheit zu tun? Der Zusammenhang ist enger, als es auf den ersten Blick scheint. Klimabedingte Risiken wie Luftverschmutzung, Hitze, Dehydration oder extreme Wetterereignisse wirken sich direkt auf die Nieren aus. Sie erhöhen das Risiko für Nierenschäden und können das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung beschleunigen.1,3
Gleichzeitig sind die Therapien bei Nierenversagen, insbesondere die Dialyse, ressourcenintensiv. Ein einzelner Hämodialysezyklus erzeugt beispielsweise einen CO2-Ausstoß, der einem Auto entspricht, das 240 km fährt.1 Damit wird deutlich, dass Nierengesundheit und Umweltschutz nicht getrennt betrachtet werden können: Klimafaktoren beeinflussen die Erkrankung, und die Therapie selbst hat ökologische Auswirkungen.
Globale Maßnahmen
Auf der 78. Weltgesundheitsversammlung wurde die erste WHO-Resolution zu Nierenerkrankungen verabschiedet, die CKD als globale Gesundheitspriorität einstuft und konkrete Maßnahmen empfiehlt:1,4
- Prävention, Früherkennung und rechtzeitige Behandlung stärken, Hochrisikopopulationen systematisch testen und Aufklärungskampagnen durchführen.
- Dialyse nachhaltiger gestalten, etwa durch ressourcenschonende Technologien, Home-Dialyse und Recyclingmaßnahmen.
- Zugang zu Transplantationen verbessern, um Lebensqualität und Überleben zu steigern und die Abhängigkeit von der Dialyse zu reduzieren.
Transplantation als Therapie mit doppelter Bedeutung
Die Nierentransplantation gilt bei terminaler Niereninsuffizienz als Therapie der Wahl, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Im Vergleich zur dauerhaften Dialyse ist sie mit besseren Überlebensraten und einer höheren Lebensqualität assoziiert.5
Vor dem Hintergrund des diesjährigen Mottos „Kidney Health for All – Caring for People, Protecting the Planet“ gewinnt die Transplantation also eine doppelte Bedeutung: Sie steht für patientenzentrierte Versorgung – mit verbesserter Prognose und größerer Autonomie – und zugleich für eine langfristig ressourcenschonendere Therapieoption.1 Das Motto verstehen wir daher auch als Aufforderung, der Organspende und dem Zugang zur Transplantation mehr Sichtbarkeit zu geben. Da die Zahl verfügbarer Spenderorgane weiterhin deutlich hinter dem Bedarf liegt, bleibt dies eine zentrale Herausforderung für die Versorgung von Patient*innen mit terminaler Niereninsuffizienz.6 Teilen, liken oder posten Sie Ihre Erfahrungen, Fotos oder Awareness-Aktionen unter #OurKidneysOurPlanet und tragen Sie dazu bei, dass Nierengesundheit global sichtbar wird.
Entdecken Sie weiterführende Informationen rund um die Nierentransplantation in unserer aktuellen Broschüre.
Referenzen
- World Kidney Day. Kidney Health For All – Caring for People, Protecting the Planet. https://www.worldkidneyday.org/2026-campaign/ (abgerufen am 25.02.2026).
- GBD Chronic Kidney Disease Collaboration. Lancet. 2020; 395(10225):709-733.
- Bowe B et al. BMJ Glob Health. 2020; 5(3):e002063.
- World Health Organization. Reducing the burden of noncommunicable diseases through promotion of kidney health and strengthening prevention and control of kidney disease. https://apps.who.int/gb/ebwha/pdf_files/EB156/B156_CONF6-en.pdf (abgerufen 25.02.2026).
- Morath C et al. Nephrologe. 2022; 17(1):44-50. German.
- Deutsche Stiftung Organtransplantation. Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2024. https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202024.pdf (abgerufen am 25.02.2026).
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