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Update der europäischen RDS-Guidelines: Was ist neu?

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Seit Anfang dieses Jahres gibt es ein neues Update der Europäischen Konsensus-Leitlinien für das Management des Atemnotsyndroms des Frühgeborenen (Respiratory Distress Syndrome, RDS). Seit der Erstveröffentlichung dieser Guidelines im Jahr 2007 wird das Dokument im Drei-Jahres-Rhythmus aktualisiert. In bewährter Manier diskutiert und bewertet ein 14-köpfiges Expert*innen-Team aus 12 europäischen Staaten die Evidenz der publizierten Daten nach den GRADE-Kriterien (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) und formuliert auf dieser Grundlage ihre gemeinsamen Konsensus-Empfehlungen.

Pränatale Versorgung

Zusätzlich zu den bisher empfohlenen Maßnahmen in der pränatalen Versorgung sind Geburtshelfer*innen nun gehalten, die Zervixlänge mittels Ultraschalls zu messen, um eine drohende Frühgeburt möglichst sicher vorhersagen zu können. Dies soll helfen, unnötige Steroidgaben zu vermeiden.

Erstversorgung im Kreißsaal

Die umfangreichsten Änderungen in den Guidelines betreffen die Erstversorgung im Kreißsaal. Während im vorherigen Update noch empfohlen wurde, die Kinder mit Blick auf die Uhr nach frühestens 60 Sekunden abzunabeln, sprechen sich die Expert*innen nun vorzugsweise für ein Physiologie-basiertes Abnabeln (PBCC) aus, bei dem die Nabelschnur erst durchtrennt wird, wenn die Spontanatmung stabil etabliert ist. Um die Kinder dabei zu unterstützen, ist taktile Stimulation hilfreich. Ebenfalls neu ist die konkrete Forderung, dass die Raumtemperatur bei der Erstversorgung mindestens 23 Grad Celsius betragen sollte. Da das Temperaturmanagement gerade beim PBCC eine Herausforderung darstellen kann, sind neben Mützchen, Plastikfolie, Wärmestrahlern und befeuchteter, angewärmter Atemluft auch zusätzliche Maßnahmen wie der Einsatz von Wärme-Matratzen für die Erstversorgung auf dem Geburtstrolley empfohlen.


Die Sauerstoffgabe wird in den aktualisierten Guidelines in Abhängigkeit vom Gestationsalter differenzierter betrachtet als früher: Für Frühgeborene mit 32 Gestationswochen oder mehr sollte der initiale Sauerstoffanteil in der Atemluft (FiO2) weiterhin auf Raumluftniveau bei 0,21 liegen. Für Frühgeborene mit 29–31 Wochen sollte der FiO2 mindestens 0,3 und für extrem unreife Kinder unter 29 Wochen sogar initial 0,6 betragen. Im Anschluss kann der FiO2 mittels pulsoximetrischer Kontrolle angepasst werden. Das Ziel ist, innerhalb der ersten 5 Lebensminuten eine Sauerstoffsättigung von ≥ 80–85 % zu erreichen. 

Surfactant-Therapie

Auch für die Surfactant-Therapie wurden die Empfehlungen angepasst. Die weniger invasive Surfactantgabe über einen dünnen Katheter (less invasive surfactant administration, LISA) ist weiterhin die präferierte Applikationsform, sollte aber nach Möglichkeit unter Zuhilfenahme der Video-Laryngoskopie erfolgen. (Dies gilt auch für die konventionelle Intubation.) Neu ist, dass extrem unreife Frühgeborene unter 28 Gestationswochen Surfactant per LISA bereits innerhalb der ersten Lebensstunde selektiv-prophylaktisch erhalten sollten, sobald sich erste Zeichen eines beginnenden RDS, wie beispielsweise Thoraxeinziehungen, andeuten.


Für die Indikationsstellung zur Surfactantgabe bei Frühgeborenen über 28 Wochen ist neben einem FiO2 von mindestens 0,3 nun auch der Lungenultraschall mit höherem Evidenzlevel als bisher empfohlen (A1). 

Sauerstoffgabe jenseits der Stabilisierungsphase

Hinsichtlich der Sauerstoffgabe auf der neonatologischen Intensivstation sind die Empfehlungen weitgehend unverändert geblieben. Für Frühgeborene unter 28 Wochen, die Sauerstoff benötigen, sollte ein Sättigungsbereich zwischen 90 und 94 % angestrebt werden. Neu hinzugekommen ist der Hinweis, das Anheben dieser Sättigungsgrenze für Frühgeborene mit BPD und pulmonaler Hypertonie zu erwägen.

Nicht-invasive Atmungsunterstützung

Die Bedeutung der nasal intermittierenden Überdruckbeatmung (NIPPV) wurde in den aktualisierten Empfehlungen aufgewertet. Insbesondere die synchronisierte NIPPV sollte bevorzugt als noninvasive Form der Atmungsunterstützung zum Einsatz kommen, da sie der kontinuierlichen Druckbeatmung (CPAP) sowohl in der Primärtherapie als auch beim Weaning nach mechanischer Beatmung überlegen zu sein scheint.


Da High-flow Nasenkanülen (HFNC) weniger nasale Komplikationen nach sich ziehen, können sie ebenfalls eingesetzt werden, sofern die Atmungsunterstützung auf CPAP oder NIPPV geswitcht werden kann, wenn HFNC zu versagen droht. Ob dies auch für extrem unreife Frühgeborene unter 29 Wochen gilt, ist allerdings nach wie vor ungeklärt.

Strategien für die mechanische Beatmung

Mechanische Beatmung sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn andere Formen der Atmungsunterstützung versagt haben, und so kurz wie möglich andauern. Um dabei die Lunge maximal zu schonen, können neben der volumenkontrollierten Beatmung auch die Hochfrequenz-Oszillationsbeatmung oder neuronal adjustierte Verfahren (NAVA) erwogen werden.


Die Empfehlung einer frühen Coffeingabe an Frühgeborene, die unter noninvasiver Beatmung ein hohes Risiko für mechanische Beatmung haben, wurde zugunsten einer prophylaktischen Gabe an alle sehr unreifen Frühgeborenen unter 32 Gestationswochen erweitert.

Überwachung und unterstützende Pflege

An den Empfehlungen zu Überwachung und unterstützender Pflege hat sich wenig geändert. Für die parenterale Ernährung wurde die empfohlene Nährstoffzufuhr leicht modifiziert. Insbesondere wurde die Menge an zugesetzten Lipiden von 4,0 g/kg/d auf 3,0 g/kg/d reduziert.


Frühgeborene mit 30 Gestationswochen oder mehr können ab Tag 1 vollständig enteral ernährt werden, ohne dass dadurch ein erhöhtes Risiko für nekrotisierende Enterokolitis befürchtet werden müsste. 

Blutdruck- und Perfusionsmanagement

Die Grenzen für eine Erythrozytentransfusion wurden an das Lebensalter der Kinder angepasst. Frühgeborene, die eine Atmungsunterstützung benötigen, sollten transfundiert werden, wenn ihr Hämoglobinspiegel in der ersten, zweiten oder dritten Lebenswoche unter 11, 10 oder 9 g/dl absinkt. Für stabile Kinder ohne oder mit nur minimaler Atmungsunterstützung liegen diese Grenzen bei 10, 8,5 und 7 g/dl. Die Empfehlungen zum Blutdruckmanagement bleiben unverändert bestehen.

Assoz. Prof. PD Dr. Kathrin Klebermaß-Schrehof, Wien, war als Koautorin an der Erstellung des Leitlinien-Updates beteiligt. Die wichtigsten Neuerungen hat sie übersichtlich zusammengefasst und kommentiert. Hier geht's zu ihrem Kommentar.

Referenzen

Sweet DG, Carnielli VP, Greisen G, et al. European Consensus Guidelines on the Management of Respiratory Distress Syndrome: 2025. Neonatology 2026 Mar 9: 1–26. doi: 10.1159/000551062 [epub ahead of print]. 

 

Bildquelle: Chiesi

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