Bei der Erstversorgung von Frühgeborenen stellt die Thermoregulation noch immer ein heikles Thema dar. Gerade die unreifsten und kleinsten Kinder sind aufgrund ihrer in Relation zur Körpermasse großen Körperoberfläche und der unreifen Hautbarriere am stärksten durch Auskühlung bedroht. Gelingt es nicht, ihre Körpertemperatur im Normbereich zwischen 36,5 und 37,5 °C zu halten, verschlechtert dies erwiesenermaßen ihre Prognose. Doch trotz aller Bemühungen erreicht ein erheblicher Anteil der sehr unreifen Frühgeborenen die neonatologische Intensivstation (NICU) mit einer Hypothermie.
Um diesem Auskühlen unmittelbar nach der Geburt vorzubeugen, sehen die internationalen Leitlinien unter anderem vor, Frühgeborene über 32 Gestationswochen nach der Geburt rasch abzutrocknen, um den Wärmeverlust über die Haut zu begrenzen – immerhin besitzt Wasser eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit. Für unreifere Frühgeborene empfehlen die Leitlinien stattdessen, sie umgehend in Plastikfolie zu wickeln. Grund für dieses Vorgehen sind Studien, die gezeigt haben, dass der Wärmeverlust sich durch die Folie besser vermeiden lässt als durch das Abtrocken.
Allerdings wurden die Frühgeborenen in diesen Studien entweder abgetrocknet oder bis zur Schulter in Polyethylenfolie gewickelt. Eine italienische Arbeitsgruppe hat nun in einer großen multizentrischen Studie in 21 Level-1-Zentren untersucht, ob es für sehr unreife Frühgeborene von Vorteil ist, beide Maßnahmen zu kombinieren. Insgesamt 354 sehr unreife Frühgeborene, die zwischen Februar 2023 und Juli 2024 mit einem Gestationsalter unter 31 Wochen und/oder einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm zur Welt gekommen sind, wurden randomisiert unmittelbar nach der Geburt entweder gleich in Polyethylenfolie gewickelt oder zuvor mit vorgewärmten Handtüchern abgetrocknet und erst danach in die Folie gehüllt. Ansonsten unterschied sich das Vorgehen in den beiden Studienarmen nicht: Die Raumtemperatur betrug zwischen 23 und 25 °C, die Erstversorgung erfolgte unter Wärmestrahlern, man setzte den Kindern Mützen auf und optional kamen auch vorgewärmte Matratzen zum Einsatz. Dieses Vorgehen wurde sowohl bei vaginalen als auch bei Schnittentbindungen identisch praktiziert. Nach Abschluss der Erstversorgung wurden die Frühgeborenen in einem auf 37 °C aufgewärmten Transport-Inkubator auf die NICU gebracht; die Polyethylenfolie wurde erst im Inkubator entfernt.
Die NICU erreichten 81 von 177 (45,8 %) abgetrockneten und 82 von 177 (46,3 %) konventionell versorgten Frühgeborenen mit einer Normothermie. Die mediane Körpertemperatur lag in den beiden Studienarmen bei 36,4 vs. 36,5 °C – statistisch betrachtet ergab sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Dies galt auch für moderate bis schwere Hypothermien unter 36 °C sowie Hyperthermien über 37,5 °C oder das Auftreten von Komplikationen wie intraventrikuläre Blutungen, Atemnotsyndrom, Late-onset-Sepsis oder bronchopulmonale Dysplasie. Möglicherweise – so die Vermutung der Autoren – wird der positive Effekt des Abtrocknens durch die Wärmeverluste zunichte gemacht, die durch die zeitliche Verzögerung bis zum Einwickeln in die Folie eintreten.
Trotz dieser identischen Outcomes war die Krankenhaus-Sterblichkeit in der Interventionsgruppe mit 14,7 % deutlich höher als im Kontrollarm mit 5,6 %. Dies entspricht einem adjustierten relativen Risiko von 2,71 (95%-Konfidenzintervall [96%-CI] 1,31–5,62). In einer Post-hoc-Analyse nach Bereinigung um mögliche Einflussfaktoren wie Geschlecht, Gestationsalter und intrauterine Wachstumsverzögerung erhärtete sich dieses Ergebnis mit einem relativen Risiko von 3,08 (95%-CI 1,44–6,56).
Diese Mortalitätserhöhung betraf insbesondere extrem unreife Frühgeborene mit 23 bis 27 Gestationswochen; für die reiferen Kinder war kein statistischer Unterschied nachweisbar. Eine pathophysiologische Erklärung im Zusammenhang mit der Studienintervention ergab sich jedoch nicht, sodass die Autoren davon ausgehen, dass die Todesfälle durch die individuelle Konstitution der betroffenen Frühgeborenen bedingt waren und die Häufung im Interventionsarm auf Zufall beruht.
Dass trotz definierter Studienbedingungen über die Hälfte der Frühgeborenen die NICU nicht normotherm erreicht haben, zeigt, dass das Temperaturmanagement im Rahmen der Erstversorgung noch immer viele ungelöste Probleme birgt.
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