Rund 50 % aller sehr unreifen Frühgeborenen, die mit 32 Gestationswochen oder weniger auf die Welt kommen, erhalten aufgrund eines Atemnotsyndroms (RDS) exogenes Surfactant – bei reiferen Frühgeborenen mit 34 Gestationswochen oder mehr kommt es deutlich seltener zum Einsatz. Daher beruht die Evidenz für die Surfactantgabe überwiegend auf Daten, die bei sehr unreifen Frühgeborenen gewonnen wurden.
Im klinischen Alltag wird Surfactant jedoch auch bei reiferen Kindern mit 34 Gestationswochen oder mehr verwendet. Zwar ist die Inzidenz eines RDS bei diesen „späten“ Frühgeborenen mit 8–10 % relativ niedrig, doch dies wird durch die deutlich höhere absolute Anzahl dieser Kinder relativiert. Hinzu kommt, dass das RDS bei ihnen meist nicht das einzige respiratorische Problem darstellt, mit dem sie zu kämpfen haben – zusätzlich liegen häufig weitere Komplikationen wie Air Leaks, Lungenblutungen, pulmonale Hypertonie, Mekoniumaspiration oder eine kongenitale Pneumonie vor. Diese Komorbiditäten können die Effektivität des exogenen Surfactants beeinträchtigen – doch klinische Daten dazu sind rar.
Eine polnische Arbeitsgruppe hat daher in einer multizentrischen prospektiven Kohortenuntersuchung 350 "späte" Frühgeborene mit einem Gestationsalter zwischen 34 und 36 Wochen erfasst, die aufgrund eines RDS den europäischen Leitlinien entsprechend mit exogenem Surfactant behandelt wurden. Dabei wurden nicht nur pulmonale Komorbiditäten akribisch dokumentiert, sondern auch der kurzfristige Einfluss der Therapie auf die Oxygenierung über die nachfolgenden 48 Stunden erfasst. Als gutes Ansprechen galt, wenn die S/F-Ratio – sprich: der Quotient aus Sauerstoffsättigung (SpO2) und dem Anteil des inspiratorischen Sauerstoffs (FiO2) – sechs Stunden nach der Gabe um mindestens 50 % angestiegen war bzw. wenn die SpO2 unter Raumluft ≥ 90 % betrug.
Das mediane Gestationsalter der Kinder lag bei 35,6 Wochen und das Geburtsgewicht bei 2645 Gramm. 71 (21 %) der Kinder mussten primär intubiert und mechanisch beatmet werden, die übrigen Frühgeborenen kamen mit nicht-invasiver Atmungsunterstützung aus. Die Surfactantgabe erfolgte im Schnitt im Alter von 8,2 Stunden. Lediglich 13 % der Kinder erhielten es bereits innerhalb der ersten 2 Stunden, während 28 % zum Zeitpunkt der Gabe schon über 24 Stunden alt waren.
Ein gutes Ansprechen wurde bei 222 (64 %) der behandelten Frühgeborenen erzielt; bei vier von fünf dieser Kinder hielt dieser Effekt langfristig an. Dabei machte es keinen Unterschied, ob Surfactant im Rahmen einer konventionellen Intubation unter mechanischer Beatmung oder mittels LISA verabreicht worden war. Einen Einfluss hatte jedoch der Zeitpunkt der Surfactant-Applikation: Diese fand bei den Respondern bereits nach median 7,2 Stunden, bei den Nonrespondern dagegen erst nach median 15,6 Stunden statt (p=0,003).
Ein schlechteres Ansprechen war insbesondere mit dem Vorliegen von Lungenhochdruck oder Air Leaks assoziiert. Lag eine Mekoniumaspiration oder eine Lungenblutung vor, war der Therapieerfolg zwar tendenziell ebenfalls beeinträchtigt, doch war dieser Unterschied nicht statistisch signifikant. Keinen Einfluss hatte das Vorliegen einer kongenitalen Pneumonie.
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