Hohe Relevanz der Lebendnierenspende in Deutschland
Die Lebendnierenspende ist in Deutschland aufgrund des anhaltenden Organmangels von hoher Bedeutung: Sie kann niereninsuffizienten Patient*innen ermöglichen, ihre Nierenfunktion wiederzuerlangen, verbunden mit einer besseren Lebenserwartung und -qualität.1,2 Am 31. Dezember 2024 standen bei Eurotransplant rund 6.397 Patient*innen aus Deutschland auf der aktiven Warteliste zur Nierentransplantation.3 Das Problem: Die Wartezeiten auf ein postmortales Organ betragen durchschnittlich 8–9 Jahre.2
Im Unterschied dazu wurden 2024 etwa 38 % der Lebendspendeempfänger*innen präemptiv oder innerhalb eines halben Jahres nach Dialysebeginn transplantiert.4 So waren 2024 über ein Viertel der 2.075 transplantierten Nieren Lebendnierenspenden (30,5 %).3 Eine kürzere Wartezeit bringt entscheidende Vorteile mit sich: Sie verbessert sowohl das Transplantat- als auch das Patient*innenüberleben.2
SoLKiD-Studie: Sicherheit der Lebendnierenspender*innen
In Deutschland sind bislang wenige prospektive Daten zu den genauen Risiken von Lebendnierenspender*innen, einschließlich psychosozialer Aspekte wie Lebensqualität, vorhanden.1,2 Die multizentrische, prospektive Kohortenstudie SoLKiD (Safety of Living Kidney Donor) untersucht die körperlichen und psychosozialen Auswirkungen von Lebendnierenspenden in Deutschland.1,5 Durch die systematische und prospektive Datenerfassung vor und möglichst lebenslang nach der Lebendnierenspende soll ein spezifisches Risikoprofil entwickelt werden.6 Das Ziel besteht darin, Spender*innen mit hohem Risikopotenzial frühzeitig identifizieren zu können.6 Bei den Betroffenen sollten Aufklärungs- und Einwilligungsprozess individuell angepasst werden, um einen echten „informed consent” auf Basis einer rationalen Entscheidungsfindung zu erreichen.6
Das SoLKiD-Register erfasste die Daten von 336 Lebendspender*innen vor der Transplantation sowie 2, 6 und 12 Monate nach der Transplantation.5 Primäre Endpunkte waren die Nierenfunktion, Lebensqualität und Fatigue.5 Sekundär wurden weitere physische und psychische Parameter wie z. B. Blutdruck, Hämoglobin und Depressivität untersucht.5
SoLKiD-Studie: Erste Ergebnisse
Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die ersten Ergebnisse der multizentrischen, prospektiven Kohortenstudie SoLKiD:
Nierenfunktion:2,5
- Die Gesamtnierenfunktion nahm um 37 % nach der Spende ab (eGFR von im Mittel 96 auf 60 ml/min), ein bei einseitiger Nephrektomie zu erwartendes Ergebnis
- Funktionsverlust war abhängig vom Alter und der vorherigen eGFR
Lebensqualität:2,5
- Bei der Lebensqualität zeigten sich geringe Änderungen im Verlauf, der Zustand vor der Transplantation wurde wiedererlangt
Fatigue:2,5
- Es wurde eine signifikante Zunahme von Fatiguewerten (allgemeine und mentale Fatigue) beobachtet. Allerdings wird die Beurteilung dadurch erschwert, dass keine validierten Schwellenwerte für den verwendeten Fatiguefragebogen vorliegen
- Bei 12 % der Spender*innen stieg der Wert für allgemeine Fatigue und bei 17 % der Wert für mentale Fatigue im Verlauf eines Jahres über den Schwellenwert an
Weitere Endpunkte:2,5
- Bei weiteren körperlichen sekundären Endpunkten sowie bei Depressivität waren nur geringe Änderungen zu beobachten, auch hier wurde der Zustand vor der Transplantation wieder erreicht
Die Ergebnisse der SoLKiD-Studie geben Hinweise auf die grundsätzlich vorhandene medizinische Sicherheit der Lebendnierenspende in Deutschland.2,5 Es traten jedoch bei einer signifikanten Anzahl von Spender*innen klinisch relevante, physische und psychische Veränderungen auf.2,5 Die Autor*innen der Studie betonen die dringende Notwendigkeit, Spender*innen umfassend über potenzielle Risiken der Transplantation aufzuklären.5 Übergreifend soll die Identifikation von Spenderrisiken im deutschen Gesundheitssystem verbessert werden.6
Die Originalpublikation finden Sie hier!
Referenzen
- Medizinische Fakultät Münster. SOLKID. https://www.medizin.uni-muenster.de/agsure/research/solkid.html (zuletzt abgerufen: Oktober 2025).
- Deutsches Ärzteblatt. Nierenlebendspende: Wie Nierenspender weiterleben. https://www.aerzteblatt.de/archiv/227951/Nierenlebendspende-Wie-Nierenspender-weiterleben (zuletzt abgerufen: Oktober 2025).
- Eurotransplant International Foundation. Annual report 2024. https://www.eurotransplant.org/statistics/annual-report (zuletzt abgerufen: Oktober 2025).
- Eurotransplant International FoundationET. Eurotransplant Statistics Report Library: 2172P_Germany_kidney: 10.02.2025. https://statistics.eurotransplant.org/index.php (zuletzt abgerufen: Oktober 2025).
- Suwelack B et al. Kidney Int. 2022;101(3):597-606
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. Deutsches Lebendspende Register – SOLKID-GNR. https://www.dgfn.eu/lebendspende-register.html (zuletzt abgerufen: Oktober 2025).
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