Medizinischer Arbeitsplatz mit Stethoskop, Klemmbrett und Laptop

Organtransplantation bei Gigantismus

Nierentransplantation mit Herausforderungen

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Weisen Patient*innen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, eine außergewöhnliche körperliche Statur auf, kann die Organtransplantation zu einer Herausforderung werden. Dies zeigt auch ein Fallbericht von Wissenschaftler*innen aus dem Vereinigten Königreich, der kürzlich im World Journal of Transplantation veröffentlicht wurde. 

In diesem schildern die behandelnden Mediziner*innen den Fall eines 45-jährigen Patienten aus Afrika, bei dem im frühen Teenageralter ein hypophysärer Gigantismus diagnostiziert wurde, der jedoch unbehandelt blieb. Der Patient wies eine Körpergröße von 247 cm und ein Gewicht von 200 kg auf. Sein Body-Mass-Index (BMI) betrug 33 kg/m2 und die Körperoberfläche (BSA) nach der DuBois-Formel 3,7 m2. Damit war der BSA-Wert doppelt so hoch wie die normale Obergrenze.

 

Als er in der Klinik vorstellig wurde, litt der Patient aufgrund einer IgA-Nephropathie mit sekundärer fokal-segmentaler Glomerulosklerose an einer terminalen Niereninsuffizienz und wurde deshalb auf die Warteliste für eine Nierentransplantation aufgenommen.

Ist eine unilaterale Nierentransplantation ausreichend?

Die Körpergröße des Patienten erwies sich hierbei als Herausforderung. So stellte sich den Mediziner*innen die Frage, ob die Transplantation von nur einer Niere ausreichen würde, um die Niereninsuffizienz so weit zu lindern, dass keine weitere Hämodialyse erforderlich wäre. Schließlich entschieden sie, den Mann auf die Warteliste für eine doppelte Nierentransplantation von einem verstorbenen Spender zu setzen. Nach weniger als einem Jahr erhielt der Patient das Angebot für eine Doppelnierentransplantation.

 

Der Spender war 24 Jahre alt und hatte aufgrund eines Verkehrsunfalls eine irreversible hypoxische Hirnschädigung erlitten. Er war 179 cm groß, hatte ein Gewicht von 75 kg und einen BMI von 23 kg/m2. Seine Körperoberfläche betrug nach der DuBois-Formel 1,9 m2 und damit fast die Hälfte des Empfängers.

 

Für die Transplantation erstellten die Mediziner*innen ein individuelles Anästhesieprotokoll für den Empfänger, und er wurde auf einer Schwebematratze narkotisiert, um einen sicheren Transfer auf den Operationstisch zu ermöglichen. Dieser konnte zwar ein Körpergewicht bis 300 kg tragen, allerdings erwies er sich aufgrund der Körpergröße des Patienten als viel zu kurz. Deshalb musste der Operationstisch auf beiden Seiten um zwei Tischverlängerungen erweitert und darüber hinaus ein Instrumentenwagen zur Unterstützung der Füße des Empfängers verwendet werden.

Unerwartete Probleme

Die Transplantation der rechten Spenderniere verlief problemlos, wobei die transplantierte Niere intraoperativ Urin produzierte. Bei der anschließenden Freilegung der Gefäße für die Transplantation der linken Niere stellten die Ärzt*innen jedoch fest, dass die linke Arteria iliaca communis sowie die linke Arteria iliaca externa deutlich ektatisch und brüchig waren. Dies war auf dem präoperativen CT-Scan nicht erkennbar. Zudem wurden intraoperativ abnorme Dopplersignale (monophasische Signale) festgestellt.

 

Zunächst überlegten die Mediziner*innen, die linke Niere mit Hilfe der Konstruktion einer alternativen Gefäßversorgung zu transplantieren, entschieden sich jedoch aufgrund möglicher Komplikationen und der bereits erfolgreich transplantierten rechten Niere schließlich gegen dieses Vorgehen.

 

Nach der Operation wurde der Patient zunächst intensivmedizinisch betreut und schließlich am 15. postoperativen Tag entlassen. Die glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) zeigte zu diesem Zeitpunkt eine Verbesserung von 44 ml/min/1,73 m2. Darüber hinaus verbesserte sich nach der Entlassung das Serumkreatinin des Patienten innerhalb eines Monats auf 120 µmol/l (330 µmol/l vor Transplantation) und blieb während des ersten Jahres nach der Transplantation stabil.

 

In ihrem Fallbericht betonen die Mediziner*innen die Bedeutung einer detaillierten präoperativen Untersuchung und Vorbereitung hinsichtlich geplanter Transplantationen, insbesondere bei Patient*innen mit außergewöhnlicher körperlicher Statur.

Referenzen

Gopal JP, Charalampidis S, Xiang J, et al. Renal transplantation in gigantism: A case report. World J Transplant 2022; 12(4): 65-71.

 

Bildquelle: iStock.com/andrei_r

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