Darstellung der neuen S2k-Leitlinie COPD 2026 beim DGP-Kongress in München

Neue S2k-Leitlinie COPD: Die wichtigsten Neuerungen vom DGP 2026

5 Minuten

Nach fast acht Jahren wurde die nationale S2k-Leitlinie COPD aktualisiert! Auf dem DGP-Kongress 2026 wurden die wichtigsten Neuerungen vorgestellt. Wir haben die zentralen Änderungen für Allgemeinmediziner*innen und Pneumolog*innen zusammengefasst.

Die aktualisierte S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD 2026 wurde am 27.02.2026 veröffentlicht.Die Leitlinie ergänzt die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) COPD 2021 und integriert die neuesten evidenzbasierten Erkenntnisse, um eine frühere und effektivere Behandlung der COPD zu ermöglichen. Dabei bestätigt die Leitlinie bei den Therapiealgorithmen die Empfehlungen des GOLD-Reports 2026.2,3


Auf dem DGP-Kongress vom 18-21.03.26 in München wurden die wichtigsten Neuerungen in verschiedenen Symposien vorgestellt, die wir im Folgenden kompakt für Sie zusammengefasst haben. 

Jede Exazerbation zählt & nach Exazerbation schnell handeln

Die fachärztliche S2k-Leitlinie COPD 2026 bestätigt die Therapiealgorithmen (Initialtherapie gem. ABE-Schema und Folgebehandlung) des GOLD-Reports 2026 (Abb. 4, S. 76; Abb. 5, S. 81).1,2 Entsprechend empfiehlt auch die S2k-Leitlinie, dass bereits nach einer einzigen moderaten oder schweren Exazerbation über eine Therapieintensivierung nachgedacht werden sollte (Empfehlung E53, S. 82).Eine frühzeitige Therapieeskalation sei dabei zentral, um weitere Exazerbationen und kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren.1 DieLeitlinie betont daher, nach jeder Exazerbation schnell zu handeln (S. 87).1

Weiterhin Exazerbationen unter der Triple-Therapie? Pneumologische Evaluation!

Bei Patient*innen, die trotz guter Adhärenz und Inhalationstechnik unter einer Triple-Therapie weiter exazerbieren bzw. unter LAMA + LABA weiterhin Dyspnoe haben, soll zur Abklärung struktureller Ursachen und weiterführender Therapieoptionen eine pneumologische Evaluation durch eine*n Fachärzt*in erfolgen.1 Diese pneumologische Evaluation sollte eine wiederholte detaillierte Anamneseerhebung, die Bestimmung von Biomarkern (Bluteosinophilen, FeNO) und wenn möglich ein natives Low-Dose-CT des Thorax beinhalten (Empfehlung E59, S. 87).1

Früherkennung im Fokus: Bei COPD-Symptomen ohne Obstruktion ab zum/zur Pneumolog*in!

Neben der verschärften Aufmerksamkeit gegenüber Exazerbationen und deren Prävention rückt die S2k-Leitlinie erstmals auch die Früherkennung von COPD in den Fokus.1             

Relevante Symptome sowie strukturelle Veränderungen wie ein Emphysem und/oder eine Wandverdickung der Bronchien können bei vielen Betroffenen auftreten, lange bevor die spirometrischen Kriterien einer COPD erfüllt sind (FEV₁/FVC < LLN oder < 0,7) (S. 30).1 Tatsächlich weist bis zu jede*r 2. (ehemalige) Rauchende, der/die keine Atemwegsobstruktion zeigt, Symptome und/oder pathologische Befunde im CT auf (S. 30).1 Diese (noch) nicht obstruktiven symptomatischen Patient*innen werden in der S2k-Leitlinie als „Frühform der COPD“, international als „Pre-COPD“, bezeichnet (S. 31).1

 

Die frühzeitige Erkennung symptomatischer Patient*innen führt hauptsächlich durch die (frühere) fachärztliche Behandlung nachweislich zu einem besseren klinischen Verlauf (S. 44).1 Unter anderem, um auch diese COPD-Frühstadien entdecken zu können, wurde der fachärztliche Diagnosealgorithmus überarbeitet und erweitert. 

Erweiterte fachärztliche Diagnostik: Body und CO-Transferfaktor für alle!

Wegen der teilweise eingeschränkten Aussagekraft der Spirometrie sollen in der fachärztlichen Diagnostik alle Patient*innen mit Verdacht auf eine COPD neben der Spirometrie auch eine Bodyplethysmographie mit Bronchodilatationstest sowie eine Bestimmung des CO-Transferfaktors erhalten (Empfehlung E3, S. 38).1 Mit der Bodyplethysmographie kann eine Obstruktion auch im Fall einer starken Überblähung sowie auch gemischt obstruktiv-restriktiven Ventilationsstörung erkannt werden.1 Eine niedrige TLCO kann relevante Einschränkungen aufdecken, selbst wenn Spirometrie und Bodyplethysmographie noch unauffällig sind.1

 

Außerdem sollen bei Patient*innen mit Verdacht auf COPD… 

 

  • in der Anamnese mögliche Ursachen einer COPD (Genetik, Rauchen, Frühgeburtlichkeit, frühkindliche und chronische Atemwegsschäden, Infektionen, Umwelt) sowie eine Arbeitsanamnese (irritative Dämpfe, Gase, Stäube und Rauche) erhoben werden (Empfehlung E1,S. 33; E2, S. 36).1
  • ein Differentialblutbild zu Bestimmung der Bluteosinophilen erhoben werden (Empfehlung E9, S. 42).1
  • in Einzelfällen eine FeNO-Messung durchgeführt werden, um zwischen COPD und Asthma zu unterscheiden bzw. das Vorhandensein beider Erkrankungen zu prüfen (Empfehlung E10, S. 42).1

 

Wird eine COPD diagnostiziert, sollen die Patient*innen einmalig auf einen Alpha-1-Antitrypsinmangel (AATM) untersucht werden (Empfehlung E19, S. 51).1

LAMA + LABA bei Symptomen und Überblähung – auch ohne Obstruktion!

Gemäß der S2k-Leitlinie kann bei symptomatischen Patient*innen (CAAT ≥ 10 und/oder mMRC ≥ 2) mit Hinweisen auf eine Lungenüberblähung ohne spirometrisch definierte Obstruktion ein Therapieversuch mit einer dualen Bronchodilatation erwogen werden (Empfehlung E 49, S. 78).1 Eine duale Bronchodilatation kann nachweislich eine Überblähung reduzieren, welche wiederum eng mit Symptomen und Belastbarkeit verknüpft ist.1

Impfempfehlungen aktualisiert und Herpes Zoster ergänzt

Der Impfstatus von Patient*innen mit COPD soll regelmäßig geprüft werden. Neben den allgemein von der STIKO empfohlenen Schutzimpfungen sind gemäß S2k-Leitlinie dieFolgenden besonders zu betonen (Empfehlungen E 73-83, S. 98-101):1

 

  • Influenza: Jährliche Impfung; ab 60 Jahren Hochdosis‑ oder adjuvantierter Impfstoff
  • SARS‑CoV‑2: Basisimmunisierung + jährliche Auffrischung im Herbst (mRNA oder proteinbasiert)
  • Pneumokokken: Impfung mit höherwertigem Konjugatimpfstoff
  • Pertussis: TdaP bei nächster Tetanus‑Auffrischung, danach alle 10 Jahre
  • RSV: COPD‑Patient*innen ab 60 Jahren (mRNA oder proteinbasiert) 
  • Varizella-Zoster: Schwere COPD: zweimalige Impfung ab 18 Jahren; nicht‑schwere COPD:
    Impfung ab 60 Jahren
    • Hintergrund: Deutlich erhöhtes Risiko einer Herpes-Zoster-Erkrankung im Vergleich zur Normalbevölkerung. 

Schon gewusst? Verordnung von Nikotin und Vareniclin zu Lasten der GKV möglich!

Das Kapitel zur Rauchentwöhnung wurde in der S2k-Leitlinie entlang der S3-Leitlinie zur Tabakentwöhnung aktualisiert und umfasst unter anderem den G-BA Beschluss zum Leistungsanspruch auf Arzneimittel zur Tabakentwöhnung (S. 57 ff.). Gemäß dem G-BA-Beschluss (in Kraft getreten 08/2025) können Ärzt*innen jetzt Nikotin und/oder Vareniclin Patient*innen zu Lasten der GKV verordnen, die gleichzeitig an einem evidenzbasierten Tabakentwöhnungsprogramm teilnehmen (physisch oder digital) (S. 62/63). Die digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) „NichtraucherHelden“ und „Smoke Free“ erfüllen diese Kriterien. E-Zigaretten sollen nicht für die Tabakentwöhnung von COPD-Patient*innen eingesetzt werden (Empfehlung E 29, S. 60).

Weitere wesentlichen Neuerungen gemäß S2k-Leitlinie:

  • Frühe Durchführung einer CT-Thorax-Bildgebung bei Diskrepanzzwischen Symptomatik und Lungenfunktion oder gehäuften Exazerbationen.
  • Bei Patient*innen mit COPD und bestehender Indikation soll ein Lungenkrebsscreening durchgeführt werden.
  • Das Kapitel der nicht-medikamentösen Therapieansätze der COPD ergänzt die Inhalte der NVL um die aktuell verfügbare Evidenz und fasst diese in verschiedenen Empfehlungen zusammen.
  • Empfehlungen zu den wichtigsten pulmonalen aber auch extra-pulmonalen Komorbiditäten bei Patient*innen mit COPD. Hierbei liegt ein besonderer Schwerpunkt bei den kardiovaskulären Komorbiditäten.
  • Neue Empfehlungen zur interventionellen und chirurgischen Endstage-COPD-Therapie bei fortgeschrittenem Lungenemphysem.
  • Ergänzend zum Kapitel zur Diagnostik und Therapie der ambulanten COPD-Exazerbation in der NVL COPD von 2024 ergänzt die S2k-Leitlinie ein Kapitel zu aktuellen Empfehlungen zur Behandlung der COPD-Exazerbation im
    stationären Setting.

 

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Neuerungen sowie eine tabellarische Aufführung der wichtigsten Empfehlungen finden Sie in der S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD
2026
 auf den Seiten 12-29.

Referenzen

  1. S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD 2026, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-006 (letzter Aufruf April 2026).
  2. Global Strategy for the Diagnosis, Management and Prevention of COPD, Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) Report 2026. https://goldcopd.org/2026-gold-report-and-pocket-guide/ (letzter Aufruf März 2026)
  3. „Aktualisierte S2k-Leitlinie COPD veröffentlicht: Neue Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie für bessere Patientenversorgung“, https://pneumologie.de/aktuelles-service/presse/pressemitteilungen/aktualisierte-s2k-leitlinie-copd-veroeffentlicht-neue-empfehlungen-zu-diagnostik-und-therapie-fuer-bessere-patientenversorgung (letzter Aufruf März 2026)

5 Minuten

Inhalt teilen