Bei einem Frühgeborenen wird ein Lungenultraschall durchgeführt.

Lungenultraschall auch für mechanisch beatmete Frühgeborene

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Für Frühgeborene mit Atemnotsyndrom, die mit CPAP (kontinuierlich positiver Atemwegsdruck) versorgt sind, bietet der Lungenultraschall zusätzlich zum benötigten Sauerstoffanteil in der Atemluft (FiO2) einen guten Anhaltspunkt, um die Notwendigkeit einer Surfactantgabe abzuschätzen. Inwiefern dies auch für Frühgeborene gilt, die nasal oder mechanisch beatmet werden, hat nun eine große multizentrische Studie untersucht.

Frühgeborene, die ein Atemnotsyndrom (RDS) entwickeln, sollen zunächst mit kontinuierlich positivem Atemwegsdruck (CPAP) stabilisiert werden. Häufig wird im Verlauf zusätzlich die Gabe von exogenem Surfactant erforderlich. Internationalen RDS-Leitlinien zufolge besteht die Indikation dazu immer dann, wenn der inspiratorische Sauerstoffanteil (FiO2) mindestens 0,3 beträgt.

 

Durch Studien ist gut belegt, dass sich die Notwendigkeit einer Surfactanttherapie bei CPAP-behandelten Frühgeborenen unabhängig vom Gestationsalter auch mit einem Lungenultraschall-Score (LUS) valide einschätzen lässt. Ob und inwieweit dies auch für Frühgeborene zutrifft, die mit CPAP allein nicht ausreichend zu stabilisieren sind, sondern andere Formen der nicht-invasiven oder invasiven Beatmung benötigen, hat nun eine prospektive, italienisch-spanische Multicenter-Studie untersucht.

 

Dabei erhielten 229 Frühgeborene in den ersten beiden Lebensstunden einen frühen Lungenultraschall, der durch qualifiziertes Studienpersonal durchgeführt wurde, das nicht in die klinische Versorgung des Kindes eingebunden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte keines der Frühgeborenen bereits Surfactant erhalten. Ihr Gestationsalter und Geburtsgewicht betrug im Mittel 30 Wochen (Interquartilsabstand [IQR] 28, 33) und 1400 Gramm (IQR 1020 g, 1890 g). Mit CPAP versorgt waren 117, non-invasiv nasal beatmet (NIV) wurden 58 Kinder; die restlichen 54 erhielten eine endotracheale Intubation mit mechanischer Beatmung (MV). 

 

Die NIV- und MV-versorgten Frühgeborenen waren im Schnitt kränker mit niedrigeren 5-Minuten-Apgar-Werten, höherem CRIB-II-Score und geringerer S/F-Ratio (Quotient aus Sauerstoffsättigung und FiO2). Deshalb erhielten sie früher und häufiger Surfactant als die Kinder, die mit CPAP zurechtkamen. Der LUS korrelierte dabei mit der Intensität der Atmungsunterstützung. Am besten vorhersagen ließ sich eine nachfolgende Surfactantgabe mit einem LUS ≥ 8 unter CPAP, ≥ 9 unter NIV und ≥ 10 bei mechanischer Beatmung; insgesamt konnte der LUS die Surfactantgabe besser vorhersagen als ein FiO2 > 0,3. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass der LUS in erster Linie das Ausmaß der Lungenbelüftung erfasst, während der FiO2 im Wesentlichen von den pathophysiologischen Folgen des RDS bestimmt wird. Die Area under the curve (AUC) für die prognostische Genauigkeit des LUS lag bei 0,85 (95%-Konfidenzintervall 0,81–0,91).

 

Darüber hinaus war der LUS bei Frühgeborenen, die im Verlauf eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD) entwickelten oder verstarben mit median 12 vs. 9 signifikant höher als bei Frühgeborenen, die ohne BPD überlebten (IQR 12, 12 vs. 6, 12). In der multivariablen logistischen Regressionsanalyse erwies sich der frühe LUS nach Bereinigung um das Gestationsalter als unabhängiger Risikofaktor für Tod oder BPD, wobei sich dieses Risiko mit jedem zusätzlichen LUS-Punkt um 24 % erhöhte.

 

Fazit der Autor*innen: Mit einem frühen LUS lässt sich nicht nur die Notwendigkeit einer Surfactanttherapie früh und unabhängig vom Beatmungsmodus prognostizieren, sondern auch das Risiko für Tod oder BPD. Deshalb sollte er für alle Frühgeborenen mit Atemnotsyndrom in die Behandlungsalgorithmen integriert werden.

Referenz

Raimondi F, Ojembarrena AA, Rosa IG, et al. Lung ultrasound predicts surfactant need in neonates on different respiratory support: an international diagnostic accuracy study. Respir Res 2026 Feb 26. doi: 10.1186/s12931-026-03585-7 [Epub ahead of print]

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