Welche Voraussetzungen gelten für eine Lebendorganspende?
Bei der Lebendorganspende wird einer gesunden Person ein Organ operativ entnommen – ohne medizinische Indikation.2 Während bei einer postmortalen Organspende insbesondere der Tod der spendenden Person zweifelsfrei festgestellt werden muss, steht bei einer Lebendorganspende der Schutz der oberster Gesundheit der Spender*innen an oberster Stelle.1,2 Anhand strenger Voraussetzungen sollen das Gesundheitsrisiko so gering wie möglich gehalten und jegliche Form des Organhandels und Missbrauchs unterbunden werden.2
Bei der gerichteten Lebendspende müssen die spendende und empfangende Person sich nahestehen, zum Beispiel als Verwandte, Ehe- oder Lebenspartner*innen.2 Mit der Reform des Transplantationsgesetzes (in Kraft seit Juni 2026) sind nun weitere Wege möglich: Bei der Überkreuz-Lebendnierenspende schließen sich zwei inkompatible Paare zusammen und spenden über Kreuz. Die Paare müssen sich nicht kennen, ein Näheverhältnis ist nur noch innerhalb des jeweiligen Paares nötig. Auch eine anonyme Spende an eine unbekannte Person ist jetzt erlaubt. Zudem entfällt die frühere Vorgabe, dass eine Lebendspende nur infrage kommt, wenn kein postmortales Organ verfügbar ist.4
Weitere Voraussetzungen für die Beteiligten lauten wie folgt:2
- Spender*innen: müssen volljährig, einwilligungsfähig, und aufgeklärt worden sein sowie der Entnahme zugestimmt haben. Sie müssen für eine Organentnahme geeignet sein und voraussichtlich nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet werden.
- Lebendspendekommission: prüft, ob die spendenden und empfangenen Personen freiwillig und ohne finanzielle Beweggründe der Organspende eingewilligt haben; besteht aus unabhängigen Ärzt*innen, Personen mit Befähigung zum Richteramt sowie Erfahrung in psychologischen Fragestellungen.
Meist längere Organfunktion mit Lebendorganspenden
Lebendnierenspende gegen Organmangel?
Für Patient*innen mit terminalem chronischen Nierenversagen (CKD Stadium V) ist eine Nierentransplantation die optimale Therapieoption – jedoch herrscht großer Organmangel in Deutschland.5 Eine Lebendnierenspende stellt sowohl aus ethischer als auch aus medizinischer Sicht eine besondere Herausforderung dar.2,5 Schwer kranke Patient*innen, die jahrelang auf der Warteliste für und auf Besserung hoffen, stehen gesunden Spender*innen, bei denen kein medizinischer (risikoreicher) Eingriff notwendig ist, gegenüber.5 Die Gesundheit der Organspender*innen darf nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet werden.2 Mehr zu potenziellen psychosozialen Beeinträchtigungen der Spender*innen finden Sie in unserem vorherigen Beitrag.
Das Deutsche Lebendspende Register wurde ins Leben gerufen, um Lebendspender*innen weit nach dem Eingriff zu unterstützen.5 Durch die Erhebung von Langzeitrisiken soll damit das deutsche Gesundheitssystem verbessert werden.5 Hier erfahren Sie mehr zu dem Projekt „Safety of the Living Kidney Donor-German National Register (SOLKID-GNR)“.
Referenzen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Organspende, Die postmortale Organspende, URL: https://www.organspende-info.de/organspende/ (zuletzt aufgerufen 02.07.2026).
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Organspende, Bei der Lebendorganspende werden Organe oder Organteile von lebenden Menschen übertragen, URL: https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/ (zuletzt aufgerufen 02.07.2026).
- Deutsche Stiftung Organtransplantation. Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2025. URL: https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht_2025.pdf (zuletzt abgerufen 02.07.2026).
- Bundesrepublik Deutschland. Drittes Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes – Novellierung der Regelungen zur Lebendorganspende und weitere Änderungen vom 12. Mai 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 143). Konsolidierte Fassung: Transplantationsgesetz (TPG), URL: https://www.gesetze-im-internet.de/tpg/ (zuletzt aufgerufen 02.07.2026).
- Deutsches Lebendspende Register, Die Sicherheit des Lebendnierenspenders, Das Deutsche Lebendspende Register, URL: https://www.medizin.uni-muenster.de/solkid-gnr/start.html (zuletzt aufgerufen 02.07.2026).
Bildquelle: iStock.com/Shidlovski
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