Vorhersage von Transplantat- und Patientenergebnissen mithilfe interpretierbarer maschineller Lernmodelle
Was sind Survival-Analyse-Modelle?
Die Begriffe im Überblick
- Maschinelles Lernen umfasst Verfahren, die es Systemen ermöglichen, aus Daten zu lernen und Vorhersagen zu treffen.9
- Neuronale Netzwerke sind eine spezialisierte Form des maschinellen Lernens, inspiriert vom menschlichen Gehirn. Sie zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, komplexe, nichtlineare Zusammenhänge automatisch zu erlernen.9
- Random Forests ist ein Ensemble-Algorithmus, der durch die Kombination vieler Entscheidungsbäume robuste Vorhersagen liefert.10
Warum muss eine Vorhersage nachvollziehbar sein?
Neben der Vorhersageleistung ist auch die Interpretierbarkeit eines Modells ein zentrales Kriterium, das bei der Entwicklung eines geeigneten CDS-Systems berücksichtigt werden muss. Eine gute Interpretierbarkeit ermöglicht es den Nutzern, Vertrauen in die Modellvorhersagen zu entwickeln und die Kontrolle über die damit verbundenen Entscheidungen zu behalten.3 Während Modelle wie das Cox PH-Modell von Natur aus interpretierbar sind, sind Black-Box-Modelle wie neuronale Netzwerke und Random Survival Forests oft schwer nachvollziehbar. Dennoch können solche Black-Box-Modelle nachträglich mit Interpretierbarkeitsmethoden verständlich gemacht werden.3 Die Autoren der Studie verwendeten Shapley Additive Explanations (SHAP) – den Goldstandard unter den Interpretierbarkeitsmethoden, um die Entscheidungslogik der verschiedenen Survival-Analyse-Modelle nachvollziehbar zu machen.11
So schnitten die verschiedenen Survival-Analyse Modelle in der Studie ab
- Das Cox PH-Modell bestätigte sich als eine robuste und einfach zu verwendende Lösung, die zuverlässige Vorhersagen ermöglicht und für Ärzt*innen gut verständlich ist.3
- Neuronale Netzwerke zeigten eine vergleichbare Leistung zu den herkömmlich genutzten Methoden bei der Vorhersage von Nierentransplantationsergebnissen. Besonders gut schnitten sie bei der Vorhersage eines Organversagens nach Transplantation ab, was bei der Entscheidung über die Annahme eines Organangebots vorteilhaft ist. Bei der Vorhersage des Patient*innensterbens nach 5 bzw. 10 Jahren schnitt jedoch das Cox PH-Modell etwas besser ab als das neuronale Netzwerk.Trotz ihrer Black-Box-Natur boten neuronale Netzwerke durch den Einsatz von SHAP eine präzisere und individuellere Interpretierbarkeit als das Cox PH-Modell. SHAP ermöglichte detaillierte, in Echtzeit berechnete Erklärungen einzelner Vorhersagen und erleichterte somit die klinische Validierung, wodurch das Modell für Ärzt*innen und Patient*innen vertrauenswürdiger wird.3
- Random Survival Forests zeigten eine vergleichbare Leistung und Interpretierbarkeit wie neuronale Netzwerke, sind jedoch deutlich langsamer im Training und in der Anwendung.3
Neuronale Netzwerke: Grundbaustein für CDS-Systeme der Zukunft
Die Ergebnisse der Studie stellen neuronale Netzwerke als vielversprechende Grundlage für zukünftige CDS-Systeme dar.3 Durch eine geplante Erweiterung um die Vorhersage von Patientenergebnissen bei einer abgelehnten Organspende sowie einer Unsicherheitsquantifizierung könnte schon bald ein leistungsstarkes CDS-System entstehen, das Transplantationsentscheidungen optimiert und gleichzeitig sowohl für Ärzt*innen als auch Patient*innen nachvollziehbar ist.
Wenn Sie mehr über den Studienaufbau oder die Ergebnisse erfahren möchten, finden Sie hier die Studie.
Referenzen
- Deutsche Stiftung Organtransplantation. Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2024. URL: https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202024.pdf (zuletzt abgerufen am: 15.05.2025).
- Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern) und Kassenärztliche Bundesvereinigung. Allokationsregeln und altersabhängige Wartezeit bei Nierentransplantationen. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/allokationsregeln-und-altersabhaengige-wartezeit-bei-nierentransplantationen (zuletzt aufgerufen 24.02.2025).
- Salaün A et al. Sci Rep. 2024;14(1):17356.
- Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.Organspende: Widerspruchslösung erhöht die Spendenrate nicht. URL: https://www.mpg.de/23725156/1113-bild-organspende-widerspruchsloesung-erhoeht-die-spendenrate-nicht (zuletzt aufgerufen 19.02.2025).
- Lundberg SM et al. Adv Neural Inf Process Syst. 2017;30.
- Katzman JL et al. BMC Med Res Methodol. 2018;18:1–12.
- Lee C et al. In: AAAI Conf. Artif. Intell. 2018.
- Ishwaran H et al. Ann Appl Stat. 2008;2:841–860.
- Bayrisches Forschungsinstitut für digitale Transformation. Maschinelles Lernen. URL: https://www.bidt.digital/glossar/maschinelles-lernen/ (zuletzt aufgerufen 24.03.2025).
- Breiman L. Mach Learn. 2001;45:5-32.
- Molnar C et al. In: Koprinska I et al., editors. ECML PKDD 2020 Workshops. ECML PKDD 2020. Commun Comput Inf Sci. Cham: Springer; 2020.
Bildquelle: iStock.com/mi-viri