Frühgeborenes Baby im Krankenhaus und Schulkind mit Rucksack auf einem Spazierweg.

Höhere Lebenszufriedenheit für schlaue Kinder

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Wer mit einem Gestationsalter unter 32 Wochen (very preterm; VP) oder einem Gewicht unter 1500 Gramm (very low birthweight, VLBW) zur Welt kommt, dessen Überlebenschancen sind heute so gut wie nie zuvor. Trotz aller Risiken, denen diese Kinder ausgesetzt sind, entwickeln sich viele von ihnen ausgezeichnet und sind als junge Erwachsene in der Lage, ihr Leben zu meistern, sich wirtschaftlich auf eigene Beine zu stellen, stabile Partnerschaften einzugehen und Lebenszufriedenheit zu finden.

Dies gerät leicht aus dem Blick, da die Forschung sich in erster Linie auf mögliche Defizite konzentriert. Es gibt umfassende Untersuchungen zu den diversen medizinischen, sozialen und ökonomischen Risikofaktoren, denen ehemalige sehr unreife Frühgeborene als junge Erwachsene ausgesetzt sind – dagegen wissen wir kaum etwas darüber, welche Faktoren einen günstigen Verlauf langfristig stützen. Eine Arbeitsgruppe um den Entwicklungspsychologen Dieter Wolke hat nun untersucht, welche Kindheitsfaktoren Einfluss darauf haben können, wie gut ehemalige sehr unreife oder sehr leichte Frühgeborene bestimmten Herausforderungen im Erwachsenenleben gewachsen sind.


In der Bayerischen Entwicklungsstudie wurden seit 1985 sehr unreife Frühgeborene prospektiv und bevölkerungsbasiert langfristig nachuntersucht und ihre Daten mit denen gleichaltriger Reifgeborener verglichen. Inzwischen liegen die Daten des Follow-ups mit 34 Jahren vor. Insgesamt 416 dieser jungen Erwachsenen haben an einem telefonisch durchgeführten standardisierten Lebensverlaufs-Interview (LCI) teilgenommen, darunter 214 ehemalige VP- oder VLBW-Personen. Dabei wurden Informationen zur Risikovermeidung, zum materiellen Wohlstand sowie zu den sozialen Beziehungen zu Eltern, Partnern und Gleichaltrigen erhoben. Darüber hinaus wurde die allgemeine Lebenszufriedenheit mit 5 Items auf einer 7-stufigen Skala erfasst.


Diese Daten wurden in Relation zu unterschiedlichen Kindheitsfaktoren gesetzt. Dazu gehörten neben Gestationsalter, Geburtsgewicht und Geschlecht auch der Intelligenzquotient (IQ) mit acht Jahren sowie die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, die ebenfalls im Alter von 8 Jahren mithilfe des EAST-Fragebogens (Emotionality, Activity, and Sociability Temperament Questionnaire) erhoben worden war. Darüber hinaus lagen Informationen zum Erziehungsstil, der mütterlichen Sensibilität und der elterlichen Wärme sowie zum sozioökonomischen Status der Familie vor, der aus dem Bildungsgrad und dem Beruf der Eltern abgeleitet wurde.


Die Untersuchung ergab, dass Individuen mit positiven Ergebnissen hinsichtlich Risikovermeidung, Wohlstand und sozialen Beziehungen auch ihre Lebenszufriedenheit signifikant höher einschätzten als Individuen mit nur moderater oder geringer wirtschaftlicher oder sozialer Funktionsfähigkeit. Ebenfalls günstig wirkte sich ein höherer IQ und eine größere Fähigkeit zur Selbstkontrolle im Alter von 8 Jahren sowie eine gute Beziehung zwischen den Eltern aus – doch nach statistischer Bereinigung blieb lediglich der Zusammenhang zum IQ signifikant.


Die Autoren folgern daher, dass insbesondere die kognitiven Fähigkeiten im Kindesalter als wichtiger und langfristiger Einflussfaktor für spätere Lebenszufriedenheit berücksichtigt und entsprechend gefördert werden sollten.


Ermutigend ist, dass insgesamt 56 % der ehemaligen VP- oder VLBW-Personen – also über die Hälfte – in Sachen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen im optimalen Bereich abgeschnitten haben; in der Gesamtkohorte lag dieser Anteil bei 63 %. Als moderat wurden diese Fähigkeiten unter den VP- und VLBW-Personen wie in der Gesamtkohorte gleichermaßen bei 26 % eingestuft, während sie bei 12 % der Gesamtkohorte, aber bei 18 % der VP-/VLBW-Individuen als niedrig beurteilt wurden. 

Referenz

Gönen E, Twilhaar ES, Tsalacopoulos N, Busch B, Bartmann P, Wolke D. Childhood factors and positive functioning among adults born very preterm or with very low birth weight. JAMA Pediatr 2026; 180(9): 1005–14.


Bildquelle: AI Generated

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