Dieses Enzym spielt eine zentrale Rolle beim Abbau vieler Arzneistoffe, darunter auch Tacrolimus, und ist vor allem im proximalen Dünndarm stark vertreten.1 Wird CYP3A durch den Grapefruitsaft gehemmt, können Wirkstoffspiegel im Blut ansteigen.1 Eine solche Interaktion ist auch für Tacrolimus mit sofortiger Wirkstofffreisetzung (IR-T) bekannt.2 Aber wie wirkt sich der Saft auf ein Tacrolimus-Präparat aus, dessen Wirkstoff erst später freigesetzt wird, sogenanntes LCPT (Envarsus®)? Das untersuchten Wissenschaftler*innen in einer prospektiven cross-over-Studie an 8 erwachsenen Nierentransplantationspatient*innen, die mindestens 3 Monate nach der Transplantation eine stabile LCPT-Dosis erhielten.2
Doch weshalb könnte die Formulierung von Tacrolimus überhaupt eine Rolle spielen, wenn der CYP3A4-vermittelte Abbau den Wirkstoff selbst betrifft und eigentlich weniger durch die Formulierung beeinflusst sein sollte? LCPT beruht auf der sogenannten MeltDose®-Technologie und wird aufgrund seiner besonderen Galenik im Vergleich zu anderen Tacrolimus-Präparaten vorwiegend im distalen Dünndarm und Kolon resorbiert.3 Weil CYP3A dort nur in geringerem Maße vertreten ist, gingen die Wissenschaftler*innen davon aus, dass Grapefruitsaft die Pharmakokinetik von LCPT im Vergleich zu IR-T weniger stark beeinflusst.
Tacrolimus mit Saft – Die Studie
Für die Überprüfung dieser Hypothese erhielten die Patient*innen ihre LCPT-Dosis entweder mit Wasser oder mit Grapefruit-Saft.1 Als Positivkontrolle diente eine Einzeldosis Midazolam (3 mg) - ein Arzneistoff, der häufig zur Überprüfung CYP3A4-vermittelten Wechselwirkungen verwendet wird. Um Schwankungen aufgrund der Nahrungsaufnahme zu vermeiden, wurden allen Teilnehmer*innen die gleichen fettarmen Mahlzeiten verabreicht. Blutproben wurden vor und nach der Einnahme nach 0,25, 0,5, 1, 2, 4, 6, 8, 10 oder 12 und 24 Stunden entnommen.2
Es zeigt sich, dass die Pharmakokinetik von LCPT durch Grapefruitsaft nicht signifikant beeinflusst wird.2 So gab es weder signifikante Unterschiede bei der mittleren Tacrolimus-AUC bei Einnahme mit Saft im Vergleich zu Wasser ((366 ± 98 vs. 319 ± 48 ng*h/mL, p < 0,05 Wilcoxon-signed rank Test), noch unterschieden sich die mittleren Tacrolimus-Spitzenspiegel (Cmax) signifikant voneinander (21 ± 4 vs. 25 ± 7 ng/mL, p = 0,15).2
Nach Meinung der Wissenschaftler*innen können diese Ergebnisse als Modell für andere CYP3A-Substrate dienen, von denen eine Interaktion mit Tacrolimus bekannt ist. So untersuchten Gümüs et al. in einer randomisierten cross-over-Studie die Wechselwirkungen von Tacrolimus und Johanniskraut, einem bekannten CYP3A- und P-Glykoprotein-Induktor.4 Dabei zeigte sich, dass Johanniskraut die Tacrolimus-Exposition sowohl von IR-T als auch von LCPT in vergleichbarem Ausmaß reduzierte, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Formulierungen.4 Im Gegensatz zur CYP3A-Inhibition durch Grapefruitsaft scheint die CYP3A-Induktion durch Johanniskraut damit unabhängig von der Formulierung zu sein.4
Referenzen
- Alabi A et al. Clin Pharmacol Drug Dev. 2026; 15(1):e70016.
- Kerr J et al. American Transplant Congress 2022; Abstract Number: 526.
- Grinyó J M, Petruzzelli S. Expert Rev Clin Immunol. 2014; 10(12):1567–1579.
- Gümüs KS Clin Pharmacol Drug Dev. 2024; 13(3):297-306.
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