Zwei Kinder mit bunten Helmen fahren lachend auf Tretrollern in einem Park.

Dextrose-Gel mit lang anhaltenden Folgen

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Fast 30 % aller Neugeborenen, die mit 35 oder mehr Gestationswochen zur Welt kommen, sind gefährdet, eine transiente neonatale Hypoglykämie zu entwickeln – sei es, weil ihre Mütter unter Diabetes mellitus leiden oder weil sie selbst zu klein oder zu groß für ihr Gestationsalter sind oder mit unter 2500 oder über 4500 Gramm ein sehr niedriges oder hohes Geburtsgewicht haben oder weil sie frühgeboren zur Welt gekommen sind. Rund die Hälfte dieser Kinder entwickelt tatsächlich eine Hypoglykämie, die bei jedem fünften die Aufnahme auf eine neonatologische Station für im Schnitt vier bis sechs Tage erforderlich macht. Die damit verbundene Trennung von Mutter und Kind erschwert das Stillen und bedeutet für die Kinder zudem im Schnitt 20 – 30 schmerzhafte Lanzettenstiche zum Blutglukose-Monitoring.

Auf der Suche nach einer effektiven, sicheren und schonenden Methode, um solchen Hypoglykämien vorzubeugen, hat die im Jahr 2016 veröffentlichte Pre-Hypoglycaemia Prevention With Oral Dextrose (hPOD)-Dosierungsstudie die besten Ergebnisse erzielt, indem man gefährdeten Neugeborenen im Alter von 1 Stunde 0,2 g/kg Dextrose-Gel in die Wangentaschen gab. Im Rahmen dieser Pilotstudie konnte dadurch im Vergleich zu Plazebo die Hypoglykämie-Rate von 52 auf 38 % gesenkt werden. Im Follow-up zeichneten sich die so behandelten Kinder durch bessere motorische und kognitive Fähigkeiten aus. Man konnte daher vermuten, dass diese schonende Primärintervention eine durch Neuroglykopenie verursachte Hirnreifungsstörung vermindern kann – Grund genug, diese Annahme im Rahmen einer großen konfirmatorischen Multicenterstudie zu überprüfen.

 

Von Januar 2015 bis Mai 2019 wurden daher in Neuseeland über 1300 besonders Hypoglykämie-gefährdete Neugeborene mit einem Gestationsalter von mindestens 35 Wochen und einem Geburtsgewicht von mindestens 2200 Gramm in die doppelblinde, Plazebo-kontrollierte Studie eingeschlossen. Doch leider ließ sich der Erfolg der Pilotstudie in dieser groß angelegten Untersuchung nicht reproduzieren: Der Anteil der Kinder, die wegen einer schweren Hypoglykämie stationär betreut werden mussten, unterschied sich in beiden Studienarmen nicht.

 

Inzwischen wurde auch das Follow-up dieser Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren veröffentlicht – mit ebenfalls ernüchternden Ergebnissen. Insgesamt konnten 532 Kinder der Dextrose-Gel-Gruppe und 535 Kinder aus dem Kontrollarm nachuntersucht werden. Neurokognitive Einschränkungen kamen dabei mit 59 vs. 57 % in beiden Studienarmen gleich häufig vor. Doch damit nicht genug, wiesen die Kinder, die Dextrose-Gel erhalten hatten, häufiger Probleme im emotional-behavioralen Bereich auf (24 vs. 18 %). Darüber hinaus deutete der Child Health Questionnaire bei ihnen öfter auf psychologische Probleme hin (17 vs. 12 %).

 

Aufgrund dieser Daten empfehlen die Autoren, von der routinemäßigen Gabe von Dextrose-Gel zur Prävention transienter neonataler Hypoglykämien abzusehen.

Referenz

Harding JE, Alsweiler JM, Brown GTL, et al.; hPOD Study group. Prophylactic dextrose gel for neonatal hypoglycemia and neurocognitive function at 6 to 7 years of age: a secondary analysis of a randomized clinical trial. JAMA Pediatr 2026: e262486.

 

Bildquelle: FamVeld/iStock via Getty Images

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