Illustration einer Lupe, die eine leuchtende Glühbirne unter vielen grauen hervorhebt

Gesucht – gefunden? Dickkopf 3 als Biomarker nach NTx

7 Minuten

Das Protein Dickkopf 3 rückt bei der Beurteilung der Nierenfunktion zunehmend in den Fokus. Aktuelle Studien zeichnen dabei ein differenziertes Bild seiner Rolle als Biomarker für Nieren- und Transplantatfunktion. Lesen Sie hier mehr.

Nach einer Nierentransplantation gestaltet sich der langfristige Erhalt der Transplantatfunktion häufig schwierig.1 Eine Ursache eines späten Transplantatverlusts ist die Entwicklung einer interstitiellen Fibrose und tubulären Atrophie (IF/TA).2

 

Trotz etablierter diagnostischer Verfahren besteht weiterhin ein Bedarf an verlässlichen, nicht-invasiven Biomarkern zur frühzeitigen Erkennung möglicher Abstoßreaktionen. Ein möglicher Biomarker, der zunehmend in den Fokus der Wissenschaft gerückt ist, ist Dickkopf 3 (DKK3). Hierbei handelt es sich um ein profibrotisches Glykoprotein aus der Dickkopf-Proteinfamilie, das den kanonischen Wnt/ß-Catenin-Signalweg aktiviert.1,3 Dieser Signalweg ist unter anderem in die Expression verschiedener Gene oder die Zellproliferation involviert.3

 

Physiologisch spielt DKK3 in der Embryonalentwicklung eine Rolle, in adulten Geweben wird es hingegen normalerweise nicht exprimiert.4 Kommt es zu einer Nierenschädigung, wird DKK3 in den tubulären Nierenepithelzellen gebildet und verursacht eine profibrotische T-Zell-Reaktion.4 Nachweisbar ist es dann beispielsweise im Urin. In Studien an Patient*innen mit chronischen Nierenerkrankungen konnte gezeigt werden, dass hohe DKK3-Level mit einer schlechteren Nierenfunktion sowie einer erhöhten Inzidenz von tubulointerstitiellen Fibrosen verbunden sind.5

 

Vor diesem Hintergrund wurde DKK3 in den letzten Jahren als potenzieller nicht-invasiver Biomarker zur Vorhersage der Transplantatfunktion diskutiert. Eine Studie von 2022 mit Nierentransplantationsempfänger*innen deutete darauf hin, dass erhöhte DKK3-Werte mit einer schlechteren Transplantatfunktion assoziiert sind und möglicherweise eine prognostische Aussagekraft besitzen.1

Erweiterung und Differenzierung der Rolle von DKK3

Aktuelle Studien liefern nun differenziertere Einblicke in die potenzielle klinische Bedeutung von DKK3 und zeigen sowohl neue Anwendungsfelder als auch Limitationen auf.

 

DKK3 bei Spender*innen: Hinweis auf Organqualität und Funktionsverlauf

 

In einer aktuellen Studie an Lebendnierenspender*innen zeigte sich, dass erhöhte DKK3-Werte im Follow-up mit einer signifikant schlechteren Nierenfunktion der Spender*innen assoziiert waren.6 Dabei unterschieden sich die Gruppen präoperativ nicht hinsichtlich klassischer Risikofaktoren, während im Verlauf eine stärkere Abnahme der eGFR bei Patient*innen mit erhöhten DKK3-Leveln beobachtet wurde.6


Ergänzend dazu konnte in einer prospektiven multizentrischen Studie gezeigt werden, dass auch prätransplantäre DKK3-Werte von verstorbenen Spender*innen mit der späteren Transplantatfunktion der Empfänger*innen zusammenhängen.7 Niedrigere DKK3-Level gingen mit einer besseren eGFR in den ersten Monaten nach Transplantation sowie mit günstigeren klinischen Verläufen einher.7
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass DKK3 nicht nur auf Empfängerseite, sondern bereits auf Spenderseite Informationen über Organqualität und zu erwartenden Funktionsverlauf liefern könnte.6,7

 

DKK3 als ein unabhängiger Prädiktor der Nierenfunktion?

 

Gleichzeitig zeigen neuere Untersuchungen, dass die prognostische Aussagekraft von DKK3 eingeschränkt sein könnte. In einer Kohorte von nierentransplantierten Patient*innen war DKK3 zwar mit der aktuellen Nierenfunktion und histologischen Veränderungen assoziiert.8


Nach Adjustierung für die eGFR zeigte sich jedoch keine unabhängige Assoziation zwischen DKK3 und der zukünftigen Transplantatfunktion oder dem Risiko eines Transplantatverlusts.8


Diese Ergebnisse legen nahe, dass DKK3 vor allem den aktuellen Funktionszustand der Niere widerspiegelt und möglicherweise weniger als eigenständiger prognostischer Marker geeignet ist.8

Einordnung der aktuellen Datenlage

Insgesamt ergibt sich aus den aktuellen Studien ein differenzierteres Bild: DKK3 ist eng mit tubulärem Stress, fibrotischen Prozessen und der aktuellen Nierenfunktion verknüpft.1,6-8 Gleichzeitig scheint die prognostische Aussagekraft für den weiteren Verlauf in vielen Fällen von der bestehenden Nierenfunktion abhängig zu sein.8

 

Damit könnte DKK3 vor allem als ergänzender Marker im klinischen Kontext relevant sein, etwa zur Beurteilung von Organqualität oder zur Unterstützung des Monitorings, jedoch weniger als unabhängiger Prädiktor für die langfristige Transplantatfunktion.6-8

Referenzen

  1. Schuster A et al. Front. Med. 2022; 9:885018.
  2. Mannon RB et al. Am J Transplant. 2010 ; 10:2066–73.
  3. Schunk SJ et al. Nephrol Dial Transplant. 2020; 36:761–7.
  4. Federico G et al. JCI Insight. 2016; 1:e84916.
  5. Zewinger S et al. J Am Soc Nephrol. 2018; 29:2722–33.
  6. Schuster A et al Journal of Clinical Medicine. 2024; 13(23):7454.
  7. Fallois J Am J Transplant. 2025; 25(3):516-530.
  8. Jehn U et al. Int J Mol Sci. 2024; 25(10):5376.

 

Bildquelle: iStock.com/cifotart

7 Minuten