Neonatologische Intensivstation mit Inkubatoren und Überwachungsmonitoren; links im Bild die Flagge der Europäischen Union.

BPD-Prävalenz: Was macht den Unterschied?

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Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) gehört zu den häufigsten Komplikationen einer Frühgeburt vor der 32. Schwangerschaftswoche und kann nicht nur die Lungenfunktion, sondern auch die neurologische Entwicklung und das somatische Wachstum der betroffenen Kinder langfristig beeinträchtigen. Obwohl die BPD-Prävalenz in den letzten Jahrzehnten weitgehend unverändert geblieben ist, zeigt sich eine große Heterogenität der Erkrankungszahlen in verschiedenen Regionen und zwischen unterschiedlichen neonatologischen Zentren. Dass Patienten-individuelle Faktoren wie Gestationsalter, Geburtsgewicht, intrauterine Wachstumsrestriktion und Geschlecht das BPD-Risiko erheblich beeinflussen, ist gut belegt, erklärt aber diese Zentrumsunterschiede nicht.

In der EPICE-Kohorte (Effective Perinatal Intensive Care in Europe) wurden prospektiv und bevölkerungsbasiert die Daten sämtlicher Kinder erfasst, die – lebend oder tot – im Verlauf eines Jahres mit einem Gestationsalter zwischen 22+0 und 31+6 Wochen in 19 Regionen in 11 europäischen Staaten zur Welt gekommen sind. Für Deutschland waren Hessen und das Saarland an dieser Erhebung beteiligt. Insgesamt überblickt die Studie damit die Daten von über 10.000 Geburten und fast 8.000 lebend geborenen Kindern – eine gute Basis, um die Zentrums-spezifischen Unterschiede zu beleuchten, die mit den differierenden BPD-Raten in Zusammenhang stehen könnten.

 

Um die statistische Aussagekraft der BPD-Prävalenz der jeweiligen Klinik zu gewährleisten, wurden für diese Untersuchung lediglich Zentren berücksichtigt, die mindestens 40 extrem unreife Frühgeborene pro Jahr betreuen. Definitionsgemäß wurde als BPD gewertet, wenn im postmenstruellen Alter von 36 Wochen zusätzlicher Sauerstoff oder irgendeine Form der Atmungsunterstützung erforderlich war.

 

Die Auswertung umfasst die Daten von 5285 Frühgeborenen aus 242 Neonatalzentren, von denen 886 (16,8 %) diese BPD-Kriterien erfüllten. Die Länder-spezifische BPD-Rate reichte von 10 % in Italien bis 26 % im Vereinigten Königreich; von Zentrum zu Zentrum schwankte sie – adjustiert nach standardisierten Morbititätsraten – zwischen 8 und 42 % und lag median bei 17 %. Dabei bestand kein Zusammenhang zwischen BPD-Rate und Mortalität. Dies entkräftet die Hypothese, dass die BPD-Rate in Zentren niedriger sein könnte, in denen bei Hochrisiko-Frühgeborenen häufiger eine palliative als eine kurative Therapie angestrebt wird.

 

Eine positive Korrelation ergab sich jedoch zwischen BPD-Prävalenz und der Höhe der angestrebten Sauerstoffsättigung sowie zur Häufigkeit der invasiven Beatmung innerhalb der ersten 24 Lebensstunden. Darüber hinaus fand man eine Assoziation mit einem hohen Gebrauch postnataler Steroide. Die Größe des neonatologischen Zentrums hatte indes keinen Einfluss auf die BPD-Häufigkeit. Nach Adjustierung blieben diese Zusammenhänge jedoch lediglich für die Sauerstoff-Sättigungsziele und für die postnatalen Steroide signifikant.

 

Zusammengefasst ließ sich mithilfe der identifizierten Zentrums-spezifischen Unterschiede in der Versorgung der Frühgeborenen 47 % der Varianz in der BPD-Prävalenz erklären – die übrigen 53 % bleiben dagegen nach wie vor im Dunkeln. In jedem Fall, so das Fazit der Autoren, würden sehr unreife Frühgeborene von einer Verbesserung des respiratorischen Managements mit noch weniger mechanischer Beatmung profitieren.

Referenz

Staude B, Torchin H, Maier RF, Fenton AC, Jarreau PH, Mazela J, Zeitlin J, Ehrhardt H; for the EPICE-SHIPS Research Group. Factors influencing unit-level differences in prevalence of prematurity-associated bronchopulmonary dysplasia in au European Cohort. Chest 2026; 169 (5): 1298–310.

 

Bildquelle: Pornfa – stock.adobe.com

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