3D-Illustration eines menschlichen Körpers mit rot markierten Nieren, umgeben von grünen Viruszellen.

Vorsicht ist geboten: Das unterschätzte Risiko von BK-Viren nach der Transplantation

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BK-Viren zählen zu den größten Herausforderungen der Transplantationsmedizin, denn die Viren sind häufig für eine Transplantatdysfunktion und -abstoßung verantwortlich.1 Erfahren Sie mehr zu BKV und welche Behandlungsmaßnahmen für transplantierte Patient*innen zur Verfügung stehen.1

Was sind BK-Viren?

BKV gehören zur Familie der Polyomaviridae und enthalten eine doppelsträngige, zirkuläre DNA.1 Sie werden anhand von Unterschieden innerhalb des Strukturproteins VP1, oder deren Gensequenz in 12 Subgruppen eingeteilt.1 Wissenschaftler*innen vermuten, dass sich das Virus zeitgleich mit dem Menschen entwickelt hat, denn es kann bei einem Großteil der Menschheit nachgewiesen werden, wobei die Morbidität bei Gesunden gering ausfällt.1 Beispielsweise kommt das Virus bereits bei etwa 65 % bis >90 % der 5- bis 10-Jährigen vor.1 Im Regelfall verläuft eine BKV-Infektion asymptomatisch oder mit nur milden, unspezifischen Symptomen.1 Nach der Primärinfektion verbleiben die Viren in der Niere, in Leukozyten im peripheren Blut und mutmaßlich im Gehirn.1

Was macht BKV zu einer Herausforderung bei Organtransplantation?

Nach der Primärinfektion können BKV durch eine Organtransplantation reaktiviert werden.1 Die Reaktivierung von BKV manifestiert sich bei:1
 

  • 30–40 % als Virurie (massives Vorkommen von Viren im Urin)
  • 10–20 % als Viremie (massives Vorkommen von Viren im Blut)
  • 1–10 % als BKV-assoziierte Nephropathie


Bei bis zu 38 % der Patient*innen mit BKV-assoziierter Nephropathie kommt es zur Transplantatabstoßung.1 Auslöser war dabei in etwa der Hälfte der Fälle eine Reduktion der Immunsuppression zur Therapie der Nephropathie.1

Die BKV-assoziierte Nephropathie: Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für eine BKV-assoziierte Nephropathie beeinflussen.1,2 Diese können Virus-, Spender*innen- oder Empfänger*innen-bezogen sein oder im Zusammenhang mit dem Transplantat stehen (siehe Tabelle 1).1,2

Tabelle 1 Risikofaktoren für eine BKV-assoziierte Nephropathie, sortiert nach ihrem Zusammenhang mit Virus, Transplantat, Empfänger*in oder Spender*in (Auszug). Modifiziert nach 1,2.
   
Virus-assoziiert
  • Anordnung einer bestimmten Genregion in der Virus-DNA, die sogenannte Noncoding Control Region (NCCR)
Transplantat-assoziiert
  • Wahl der Immunsuppression (siehe Tabelle 2)
  • Akute Transplantatabstoßung und Abstoßungsepisoden
  • Verzögerte Transplantatfunktion
  • Steroid-Exposition
  • Kalte Ischämiezeit
Empfänger*innen-assoziiert
  • Alter (<18 und >55 Jahre)
  • Männliches Geschlecht
  • Ethnie (afroamerikanisch)
  • Reduzierte Immunität
  • ABO-inkompatibel
  • Geringe BKV-Antikörperlast
  • Diabetes
  • Einsatz von Ureterkatheter
Spender*innen-assoziiert
  • Weibliches Geschlecht
  • Hohe BKV-Antikörperlast
  • Hoher HLA-Mismatch
  • Postmortale Organspende
  • Spende nach Herz-Kreislauf-Tod

Der wichtigste Risikofaktor ist die Wahl der Immunsuppression, denn einige Immunsuppressiva scheinen das Risiko für eine BKV-Reaktivierung stark zu erhöhen bzw. zu verringern (siehe Tabelle 2).1 Andere haben keinen Einfluss.1

Tabelle 2 Einflussfaktoren der Immunsuppression auf die BKV-Reaktivierung bei Transplantationspatient*innen (Auszug). Modifiziert nach 1.
   
Erhöhtes Risiko für eine BKV-Reaktivierung
  • Thymoglobulin (als Induktionstherapie oder zur Behandlung einer Transplantatabstoßung)
  • Tacrolimus (basierend auf in vitro Daten)
Verringertes Risiko für eine BKV-Reaktivierung
  • Ciclosporin
  • mTOR-Inhibitoren
Kein erhöhtes Risiko für eine BKV-Reaktivierung
  • Alemtuzumab
  • Interleukin-2-Rezeptor-Antikörper z. B. Basiliximab

Screening: eine BKV-Reaktivierung erkennen

Eine BKV-Reaktivierung kann vor der Entstehung einer BKV-assoziierten Nephropathie ermittelt werden.1 Denn vor Entstehung einer BKV-assoziierten Nephropathie führt die erhöhte BKV-Replikation zunächst zu einer Virurie sowie Viremie.1 Im Median geht eine Virurie einer Viremie 4 Wochen und eine Viremie einer BKV-assoziierten Nephropathie 8 Wochen voraus.1 Daher wird empfohlen, die BKV-Last in Urin oder Blut aller Nierentransplantationspatient*innen zu überwachen.1,2 Am häufigsten wird hierzu eine Real-Time Polymerasekettenreaktion (RT-PCR) durchgeführt.1 Wird eine erhöhte Viruslast in Blut oder Urin festgestellt und eine Reduktion der Immunsuppression frühzeitig eingeleitet, kann eine BKV-assoziierte Nephropathie verhindert und das Überleben der Patient*innen verbessert werden.1

Therapie: eine BKV-assoziierte Nephropathie behandeln

Wird eine BKV-assoziierte Nephropathie festgestellt, wird in der Regel eine Reduktion der Immunsuppression eingeleitet.1,2 Seltener wird das Immunsuppressionsregime zu einem mTOR-Inhibitor gewechselt.1 Die Immunsuppression sollte für jede*n Erkrankte*n individuell angepasst werden, je nach immunologischem Risiko und Überwachung.1

 

Es gibt bisher nur wenige Daten darüber, ob eine Immunsuppression nach Abklingen einer BKV-Infektion wieder erhöht werden kann, ohne dass unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.1 Eine Retransplantation ist bei Patient*innen mit BKV-assoziierter Nephropathie nach Transplantatabstoßung jedoch möglich.1

 

Bisher gibt es keine zugelassene BKV-gerichtete Therapie. Erste zielgerichtete Ansätze werden jedoch klinisch untersucht: In einer randomisierten Phase-2-Studie reduzierte die virusspezifische T-Zell-Therapie Posoleucel die BK-Virämie stärker als Placebo und war gut verträglich.3 Aktuelle internationale Konsensus-Leitlinien empfehlen, solche experimentellen Therapien nur im Rahmen klinischer Studien einzusetzen.4

Fazit

BKV-Infektionen können zu einer BKV-assoziierten Nephropathie führen, welche eine Transplantatabstoßung begünstigt.1 Eine Überwachung der BKV-Last in Urin oder Blut sowie frühzeitige Diagnose und Therapiestart sind für eine verbesserte Prognose wichtig.1,2 Die Reduktion der Immunsuppression wird standardmäßig eingesetzt, kann jedoch zur Transplantatabstoßung führen.1,2 Auch ein Wechsel des Immunsuppressionsregimes ist mit Risiken verbunden.1 Daher ist es wichtig, weiterhin BKV-gerichtete Therapien zu erforschen.1

Abkürzungen

BKV: BK-Virus

NCCR: noncoding Control Region

HLA: Humane Leukozyten-Antigene

mTOR: mammalian Target of Rapamycin

RT-PCR: Real-Time Polymerasekettenreaktion

Referenzen

  1. Cohen-Bucay A et al. Kidney Med. 2020; 2(6): 771–786.
  2. Funahashi Y et al. Pathogens. 2021; 10(2): 150.
  3. Chandraker A et al. J Am Soc Nephrol. 2024; 35(5): 618–629.
  4. Kotton CN et al. Transplantation. 2024; 108(9): 1834–1866.

 

Bildquelle: iStock.com/Mohammed Haneefa Nizamudeen

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