Weniger Lebertransplantationen bei Hepatitis C
Wie DAAs Spenderkriterien verändert haben
Auch die Spenderkriterien wurden durch den Zugang zur DAA-Therapie angepasst: Lange galt eine HCV-Infektion als Ausschlusskriterium für eine Organspende. Heute gilt eine HCV-Infektion nur noch als erweitertes Spenderkriterium und schließt die Transplantation eines HCV-positiven Organs nicht mehr kategorisch aus.3
Dies ist vor allem durch die Entwicklung interferonfreier DAA-Kombinationen möglich, die auch immunsupprimierten Patientinnen neue Behandlungsmöglichkeiten bieten – und damit auch für Menschen nach Lebertransplantationen.1 Zum Einsatz HCV-positiver Organe bei ebenfalls HCV-positiven Empfängern gibt es bereits sehr gute Therapieergebnisse.4 Aber auch zum Einsatz HCV-positiver Organe bei HCV-negativen Empfängern liefern Studien vielversprechende Ergebnisse: Zwar trat bei allen lebenden Empfängern eines HCV-positiven Organs auch eine Virämie auf, doch betrug die Heilungsrate 100 Prozent sofern die antivirale Behandlung erfolgte.5 Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass auch eine präventive medikamentöse Anti-HCV-Behandlung gesunder Empfänger eine Infektion bei Transplantation eines HCV-positiven Organs verhindern kann.6,7
Umfassende Anpassungen an veränderte Transplantationsbedingungen
Doch nicht nur die neuen Behandlungsmöglichkeiten in Hinblick auf Hepatitis C stellen einen Hoffnungsträger dar. Auch die verbesserte Utilisierung steatotischer Lebern könnte den Spenderpool entscheidend erweitern. Hierzu bedarf es jedoch zunächst einer Standardisierung bei der Beurteilung des Schweregrads der Steatose. Hier könnte der Einsatz einer digitalen Bildgebungssoftware genauer quantifizierbare und besser reproduzierbare Ergebnisse liefern. Zudem könnte die Rate verworfener Organe minimiert werden, da bei der klassischen Blickdiagnose das Ausmaß der Steatose tendenziell überschätzt wird.8 Doch auch bei vielen langjährig etablierten Scores wie beispielsweise dem Donor Risk Index (DRI) bedarf es einer grundlegenden Reevaluation. Sie können im Laufe der Zeit an prädiktiver Aussagekraft einbüßen, beispielsweise wenn sich die Transplantationsbedingungen verändern.9
Aus hepatologischer Sicht könnte der Spenderpool durch die Verwendung HCV-infizierter Organe aber auch durch die Berücksichtigung steatotischer Lebern maßgeblich erweitert werden. Forscher aus den USA haben hierzu bereits Zahlen vorgelegt: Wenn infizierte und nicht-infizierte Organe gleichbehandelt würden, gäbe es jährlich etwa 30 zusätzliche Lebertransplantationen.10
Warum weiterer Handlungsbedarf besteht
Referenzen
- Herzer K et al. J Hepatol 2018; 69: 982 – 84.
- MT-Portal. Erfolgreiche Therapie: Weniger Lebertransplantationen bei Hepatitis C. https://mt-portal.de/aktuell/weniger-lebertransplantationen-bei-hepatitis-c/ (zuletzt abgerufen am: 26.06.2025).
- Deutsche Stiftung Organtransplantation. DSO Leitfaden für die Organspende. https://dso.de/organspende/fachinformationen/organspendeprozess/leitfaden-die-organspende/02-spenderidentifizierung. (zuletzt abgerufen am 26.06.2025).
- Bushyhead D et al. Curr Hepatol Rep 2017; 16: 12 – 17.
- Schiff T et al. Am Transplant Congress. 2020.
- Humar A et al. Am Transplant Congress. 2020.
- Gupta G et al. Am Transplant Congress. 2020.
- Long J et al. Am J Transplant. 2019; 19 (suppl 3): #339.
- Okubo K et al. Am J Transplant. 2019; 19 (suppl 3): #341.
- Massie A et al. Am Transplant Congress. 2020
- Deutsche Stiftung Organtransplantation. Jahresbericht. Organspende und Transplantation in Deutschland 2024. Abgerufen am 24.06.2025 unter: https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202024.pdf. (zuletzt abgerufen am: 26.06.2025).
Bildquelle: iStock.com/jarun011